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Das Stadthaus Ulm

Aus den Glasfronten des Stadthauses leuchtet Licht in der Dämmerung.

© Nik Schölzel

Seit 1993 ist Ulm um ein bedeutendes Bauwerk reicher, das Stadthaus: Bürger-, Ausstellungshaus und Veranstaltungsforum. Doch bis dahin war es ein langer Weg. Um die Neugestaltung des Münsterplatzes wurde insgesamt 100 Jahre lang gerungen. Die Herausforderung war, in so engem innerstädtischem Kontext ein Bauwerk zu errichten, das unmittelbar in Dialog zum spätgotischen Ulmer Münster treten konnte. Mit dem Ulmer Stadthaus wurde die jahrelang geführte Debatte zum Abschluss gebracht - nicht ohne dass deswegen der erste Ulmer Bürgerentscheid (über Pro und Contra des Neubaus) durchgeführt wurde.

Heute ist das Stadthaus als Ausstellungs- und Veranstaltungsort wie auch als Baukunstwerk aus dem Ulmer Stadtbild und dem gesellschaftlichen Leben der Stadt nicht mehr wegzudenken.

An der Stelle, an der heute das Stadthaus steht, stand früher ein Kloster. Dieses Barfüßerkloster fiel in den 1870er Jahren dem ersten Architektenwettbewerb, der sich mit der Neugestaltung des Münsterplatzes befasste, zum Opfer. Dieser empfahl den Abriss des sanierungsbedürftigen, ehemaligen Klostergebäudes aus dem 13. Jahrhundert. Danach erst, 1890, war der Turm des Münsters auf seine endgültige Höhe  zum höchsten Kirchturm der Christenheit vollendet. Nun sah man, dass der weitläufige Platz der Wirkung des Münsters nicht zuträglich war. Was sollte man aus dem Platz machen?

Für die nächsten hundert Jahre stritten die Bürgerschaft, Kommunalpolitiker und Architekten und über den richtigen Rahmen und über Bauwerke, die in Dialog mit dem Münster treten könnten. Viele Versuche, eine Lösung für diesen so sensiblen Platz im Herzen der Stadt zu finden, und mehrere Architektenwettbewerbe scheiterten.

Im Jahr 1986 startete die Stadt einen letzten Versuch. Der finale Architektenwettbewerb sollte die Lösung bringen - "Jetzt oder Nie!". Unter allen Einreichungen entschied sich das Preisgericht am 15. November 1986 für den Entwurf des New Yorker Architekten Richard Meier. Ein Sturm der Entrüstung brach los. Jahrelang debattierte die Bürgerschaft mit demokratischer Leidenschaft über Architektur. Unterstützung für den sogenannten "Richard-Meier-Bau" kam von einer großen Mehrheit des Gemeinderats, vom Kirchengemeinderat, vom Münsterbaumeister, vom Präsidenten des Landesdenkmalamtes, von hochrenommierten Architekturkritikern und auch von großen Teilen der Bürgerschaft. Die starke Gegnerschaft löste jedoch den ersten Ulmer Bürgerentscheid aus.

Das Ergebnis der Abstimmung im Jahr 1987 waren rund 20.000 Stimmen GEGEN und rund 17.000 Stimmen FÜR den Bau des Stadthauses. Doch obwohl es rund 3.000 mehr Nein- als Ja-Stimmen gab, war der Gemeinerat nicht an den Beschluss der Bürgerschaft gebunden, da das Quorum nicht erreicht worden war: Dafür hätten sich mindestens 30 % der wahlberechtigten Ulmerinnen und Ulmer mit Nein an der Abstimmung beteiligen müssen. Diese Beteiligung war denkbar knapp verfehlt worden, es mangelte an nur 1.700 Stimmen. So aber war der Neubau beschlossene Sache.

Nach dem Entschluss 1986 wurde das künftige Bauareal zunächst von Archäologen untersucht, die sich reiche Funde versprachen. Immerhin war dieser prominente Platz im Herzen der Stadt schon weit in der Vergangenheit ein Ort menschlichen Lebens und Handelns gewesen. Und in der Tat: Was die Archäologen bargen, war zu kostbar, um in verschlossenen Schränken und staubigen Regalen zu verschwinden.

Am spektakulärsten ist der Fund der "ältesten Ulmerin": ein rund 4.300 Jahre altes Grab einer Frau aus der sogenannten Glockenbecherzeit. Eine Rekonstruktion des Grabes und eine Auswahl anderer Funde können heute direkt im Untergeschoss des Stadthauses besichtigt werden; das originale Skelett ist im Museum Ulm zu sehen. Es sind Zeugnisse des jahrhundertelangen Lebens an diesem Ort und damit Zeugnisse der Wurzeln der heutigen Stadtgesellschaft.

Der Bau des Stadthauses begann am 7. Januar 1991 mit dem ersten Baggerstich. Eineinhalb Jahre später stand der Rohbau aus 460 Tonnen Stahl und 3.800 m³ Beton. Wie in der Südwest Presse zu lesen war, hatten an 195 Arbeitstagen im Schnitt 22 Menschen daran gearbeitet.

Am 12. November 1993 wurde es im Beisein des Architekten, der Stadtspitze und zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern eröffnet. Die lange Auseinandersetzung um diesen zentralen Platz und nicht zuletzt der Bau des Stadthauses selbst wurden zur Initialzündung für die Neue Mitte.

Das weiß verputzte Stadthaus, dessen Struktur aus einer würfelförmigen Geometrie und konzentrischen Kreisen hervorgeht, ist ein dreistöckiger Pavillon mit einer Fläche von rund 3.600 m². Davon sind gut 2.000 m² öffentlich begehbar. Der größere West- und ein kleinerer Ostflügel sind über verglaste Brücken und eine Dachterrasse miteinander verbunden. Die offen ineinander übergehenden Ausstellungsflächen, Gastronomie und Shops werden von Tageslicht durchflutet.

Im Erdgeschoss des Westflügels befindet sich die Tourist-Information Ulm/Neu-Ulm sowie eine Verkaufsfläche der Ulmer Schmuckmanufaktur "Charlotte Ehinger-Schwarz 1876", im Ostflügel die Gastronomie mit dem "Stadthaus Café-Restaurant".

Ganzjährig kuratiert und zeigt das Stadthaus in Eigenregie wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Fotografie, Architektur, Stadtgestaltung und Outsider Art. Daneben veranstaltet und koproduziert das Stadthaus herausragende kulturelle Projekte. Und es ist das Ulmer Bürgerforum für Gastveranstaltungen aus den Bereichen Kultur, Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, Medien und Soziales. Der Saal, der überwiegend vermietet wird, hat Platz für bis zu 340 Personen. Eine hohe Transparenz durch weite Glasflächen zwischen Innen- und Außenbereichen ist ein Markenzeichen des Architekten Richard Meier. Herzstück des Stadthauses ist das offene Treppenhaus im Westflügel, das alle Bereiche und Stockwerke ohne Zugangsbeschränkungen erschließt.

Der Eintritt in das Stadthaus, in seine Ausstellungen und deren Eröffnungen und der Zugang zu den Stadthausterrassen ist kostenlos. Zur Webpräsenz des Stadthauses gelangen Sie auf www.stadthaus.ulm.de.