Navigation und Service

Springe direkt zu:

Auf der Bühne der Stadtgemeinschaft

Der erste Schwörmontag mit Oberbürgermeister Gunter Czisch

Zuschauerinnen und Zuschauer hören Gunter Czisch bei der Schwörrede zu.

Mit großer Spannung war der Schwörmontag 2016 erwartet worden. Nach 24 Jahren Amtszeit von Ivo Gönner trat zum ersten Mal Ulms neuer Oberbürgermeister Gunter Czisch vor die Menge. Es wurde ein Moment, in dem sich Vergangenheit und Zukunft auf dem Weinhof vereinten.

Fahnen wehen an Masten auf dem Weinhof.

Man stelle sich die Freie Reichsstadt Ulm in alten Zeiten vor. Auf dem Weinhof künden wehende Fahnen ein großes Ereignis an. Wie magisch zieht der Platz die Menschen an. Hunderte Ulmerinnen und Ulmer sind schon eine Stunde, bevor es losgeht, vor Ort und sichern sich die besten Plätze. Sie tragen festliche Kleidung. Die Sonne wirft ihre Strahlen hinab, es weht ein warmer Wind.

Im Schwörhaus, wo es kühl und abgedunkelt ist, steht der Bürgermeister. Golden schimmert die Amtskette um seinen Hals. Der Bürgermeister wirkt ruhig, schaut aus dem Fenster auf den Weinhof. Dort drängen sich inzwischen tausende Menschen bis in die verwinkelten Gassen. Sie erwarten von ihm, dass er ein uraltes Bündnis zwischen der Bürgerschaft und dem Stadtoberhaupt erneuert.

Dieses Szenario vollzieht sich jedoch gar nicht im historischen Ulm. Wahr ist, dass die Ulmer Bürgermeister schon im 14. Jahrhundert gelobten, sich für alle Bürger gleichermaßen einzusetzen und damit die Schwörtradition begründeten. Doch jetzt schreiben wir das Jahr 2016. Es ist der 18. Juli, Schwörmontag.

Oberbürgermeister Czisch nimmt vor seiner Rede einen Schluck Wasser.

Der Schwörmontag 2016 kennzeichnet einen Wechsel nach 24 Jahren. So lange war Ivo Gönner Stadtoberhaupt und somit zentrale Figur am Schwörmontag gewesen. Nun wollen alle wissen, wie der neue Oberbürgermeister Gunter Czisch seinen ersten großen Auftritt meistern wird. Seit acht Uhr morgens sind die Journalisten um ihn herum. Wie er sich fühle? Ob er gut geschlafen habe? Nach welchem Kriterium er seine Krawatte ausgewählt habe? Die Frage "Sind Sie nervös?" hört Czisch zum wiederholten Mal. Darauf könne er nur antworten, dass er zutiefst berührt und mit Demut erfüllt sei. Und ja, angespannt.

Beim Anstecken des Mikrofons am Revers klicken die Kameras. Der Moment, in dem er einen Schluck aus dem Wasserglas nimmt, wird sich später in den Medien wiederfinden. Klick. Er gibt das Glas wieder zurück. Klick. Er nimmt nochmal einen Schluck. Klick, klick, klick.

Oberbürgermeister Czisch hat die Hand zum Schwur erhoben.

Um elf Uhr tritt Czisch hinaus ins Licht auf den Balkon. Unter ihm die Menge. Von der gegenüberliegenden Seite des Weinhofes sechs Filmkameras auf ihn gerichtet. Rote Blumen schmücken das Schwörhaus. Am Balkon prangt ein Banner mit dem Bundesadler und dem Ulmer Wappen.

Was nun am Schwörmontag üblicherweise folgt, ist eine Rede, in der der Oberbürgermeister Rechenschaft über die Stadtpolitik des vergangenen Jahres ablegt. Doch mit nur wenigen Monaten Amtszeit legt Czisch den Schwerpunkt auf die Zukunft. Er zeichnet eine Vision von Ulm in zehn Jahren. Eine Vision, in der jedes Jahre hunderte neue Wohnungen in der Stadt gebaut worden sind. Eine Zukunft, in welcher der Der Löwenmensch zum Unesco-Kulturerbe gehört und in der die digitale Agenda der Stadt zu einem deutschlandweiten Markenzeichen geworden ist.

Es könne natürlich auch anders kommen, räumt Czisch ein. Aber Vorausdenken lohne sich. Er erinnert an den Ulmer Flugpionier, den Schneider von Ulm. Der sei seiner Zeit voraus gewesen. "Einer Stadt, die einen Berblinger hervorgebracht hat, stehen hochfliegende Gedanken zu."

Es gibt Szenenapplaus von einer Stadtbevölkerung, die stolz auf ihr Ulm ist. Stolz auf die mehr als 600 Jahre alte Tradition des Schwures, mit dem der Bürgermeister bestätigt, "Reichen und Armen ein gemeiner Mann zu sein", also alle Bürger ohne Unterschied zu behandeln. Stolz auf ein starkes Bürgertum, das in der Geschichte immer wieder sein Recht einforderte und aus eigenem Antrieb den höchsten Kirchturm der Welt erbaute.

Während die Schwörglocke vom Ulmer Münster her erklingt, beendet Czisch seine Rede mit denselben Worten, die jedes Jahr gesprochen werden:

"Reichen und Armen
ein gemeiner Mann zu sein
in allen gleichen, gemeinsamen und redlichen Dingen
ohne allen Vorbehalt."

Bei sonnigem Wetter laufen viele Menschen die Herdbruckerstraße entlang.

Nach seinem ersten Schwörmontagseid geht es für Czisch von oben hinab in die Menge. Hier wird er sich für den Rest des Tages bewegen. Beim Nabada auf der Donau mit unzähligen Schlauchbooten und Schaulustigen kriegt er eine ordentliche Portion Wasser ab. Und lacht darüber. Ob die Bürgermeister zu Zeiten der Freien Reichsstadt Ulm dies wohl auch getan hätten?