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Dichterviertel

Historische Entwicklung

Ansicht Microapartements im Dichterviertel

© Pro Invest GmbH

Das Dichterviertel liegt westlich der Ulmer Altstadt. Bis ins frühe 19. Jahrhundert vor der Befestigungsanlage gelegen, wird das Gebiet ‘Bei der Lohmühl’ überwiegend landwirtschaftlich
genutzt.

Mit der Erweiterung der Wallanlagen zur Bundesfestung ab 1844 wird das Areal Teil des Ulmer Stadtgebiets. Auf den Flächen der alten Befestigungsmauer entstehen ab 1848 der Ulmer Hauptbahnhof und die dazugehörigen Gleistrassen. Allerdings verhindert die Lage der Bahnanlagen eine direkte räumliche Verknüpfung des Dichterviertels mit der Innenstadt.

Zwischen 1903 und 1912 und nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erfolgt nach der Wallniederlegung in zwei Etappen ein weitgehender Rückbau der Festungsbauwerke.

Entlang der Festungsanlage wird ab 1960 der Hindenburgring zur Bundesstraße 10 ausgebaut. Als übergeordnete Straße mit hohem Verkehrsaufkommen schnürt sie das Dichterviertel zusätzlich ein. Aufgrund der damit weiterhin bestehenden Eingrenzung verfestigt sich im Quartier eine Mischung aus flächigen gewerblichen Nutzungen sowie punktuell eingestreuten Geschosswohnbauten.

Im Jahr 2007 wurde das Dichterviertel als Teil des Sanierungsgebietes Weststadt festgelegt und 2011 als eigenständiges Sanierungsgebiet beschlossen.

Gemäß Sanierungssatzung werden für das „Dichterviertel“ insbesondere die nachstehenden Sanierungsziele verfolgt:

  • Städtebauliche Neuordnung und Umbau zu einem attraktiven Quartier für Wohnen und Dienstleistung
  • Bessere Verknüpfung mit den angrenzenden Stadtquartieren
  • Optimierung der Wegeverbindungen innerhalb des Gebietes
  • Verbesserung des Freiflächenangebotes
  • Aufwertung und Erlebbarmachung der beiden Blauarme und ihrer Uferzonen
  • Aufwertung der öffentlichen Räume
  • Schaffung eines Lärmschutzes entlang der B10

Mit der Neubebauung soll die städtebaulich unbefriedigende Situation verbessert und eine dem innerstädtischen Standort angemessene qualitätsvolle Neubebauung hergestellt werden. Ziel der Maßnahmen ist die Aufwertung und Revitalisierung des Quartiers durch eine gemischte Nutzung aus nicht störendem Gewerbe und Wohnen. Zusätzlich an Attraktivität als Wohn- und Arbeitsstandort gewinnt das Gebiet mit dem Neubau der ICE-Strecke zwischen Ulm und Stuttgart.

Nach Abschluss der vorbereitenden Untersuchungen und der Festlegung des Sanierungsgebietes wurde im zweiten Schritt 2013 ein städtebaulicher Planungswettbewerb für den Bereich nördlich der Bleichstraße durchgeführt.

Dabei wurde das Berliner Büro bbzl böhm benfer zahiri landschaften städtebau mit dem 1. Preis gewürdigt. Die prämierte Arbeit wurde in einen Rahmenplan überführt und dient als Basis für die anstehenden Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen.

Ein zentral im Quartier gelegener Stadtplatz verknüpft die Achse Innenstadt mit der bestehenden Erschließung des Dichterviertels. Er bildet das Zentrum des Viertels und dient gleichzeitig als Verteiler: Von hier aus führen zwei Verbindungen zum nordwestlich gelegenen Glacispark. Südlich schließt sich ein Platz an der Kleinen Blau an, welcher den vorhandenen Fluss als Orientierungselement in das Quartier einbindet. Gegenüberliegend angeordnete Uferterrassen bzw. -treppen verbessern die Erreichbarkeit des Wasserlaufs. Eine Fußgängerbrücke verbindet zudem beide Platzteile und verknüpft somit den südlichen und nördlichen Teil des Dichterviertels und leitet schließlich zum Glacispark, dem Blaubeurer Tor sowie den nördlich und westlich angrenzenden Stadtteilen über.

Zusammenfassend konzentriert sich das vorliegende Konzept auf die Etablierung eines Gefüges aus öffentlichen Räumen und sieht für das Quartier eine differenzierte Abfolge aus unterschiedlichen öffentlichen Freiräumen vor.

Ein Kernziel des Rahmenplans „Dichterviertel“ lautet „Bauen auf der Parzelle“. Innerhalb der Blockstrukturen sollen verschiedene, klar ablesbare Gebäudeteile entstehen, die durch unterschiedliche Architektursprachen und Nutzung zur Vielfalt des Gebiets beitragen. Der erste Bauabschnitt „Nördliches Dichterviertel – Kleiststraße Teil I“, der den ersten Baustein der Umsetzung des Rahmenplanes Dichterviertel Nord darstellt wurde im Frühjahr 2018 fertiggestellt.

Im Sinne der nachhaltigen Stadtentwicklung ist ein gemischt genutztes Quartier mit einer fünf- bis siebengeschossigen Blockrandbebauung entstanden. Neben einem Vier-Sterne-Hotel mit 148 Zimmern, stehen dort nun drei weitere Neubauten mit insgesamt 74 Eigentums- und Mietwohungen, 740 m2 Büroflächen und einer Tiefgarage mit 179 Stellplätzen, die großteils auch öffentlich genutzt werden kann.

Im zweiten Bauabschnitt werden an der Mörikestraße bis 2020 zwei weitere Gebäude für zwei unterschiedliche Arten des Wohnens dazukommen. Geplant sind für Pendler 112 Micro-Apartements inklusive Rooftop-Lounge und Fitness-Studio sowie eine Seniorenanlage mit 59 betreuten Wohneinheiten.

Im Zentrum des Dichterviertels wird ein urbaner Stadtplatz entstehen. Die südlich gelegene Kleine Blau wird dann über Uferterrassen erreichbar und damit intensiver erlebbar sein.