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Starkregen

Gewitterwolken

© ganesh partheeban/ unsplash

Unter Starkregenabfluss wird das insbesondere bei kurzen sommerlichen Starkregen abfließende Wasser verstanden. Aufgrund der hohen Niederschlagsintensitäten nutzt das Wasser dabei Wege, Straßen und Geländeeinschnitte als oberirdische Abflusswege und lässt sog. Sturzfluten entstehen. Eine Gefährdung kann vor allem durch in Gebäude eindringendes Wasser und dadurch verursachte direkte oder indirekte Beeinträchtigung der Personen, der Bausubstanz oder der Einrichtungsgegenstände entstehen. Neben der durch Bodeneigenschaften, Relief und Nutzung beeinflussten Abflussmenge ist vor allem die natürliche oder durch Bauwerke (Verkehrswege, Mauern etc.) bewirkte Konzentration des Oberflächenabflusses sowie evtl. Rückstauphänomene für die Schadenswirkung verantwortlich. Im Rahmen des Klimawandels wird erwartet, dass die Extremsituationen und somit auch die Starkregenereignisse zunehmen.

Zur Information sind rechts unter Starkregenkarten die Downloads zu den berechneten Fließgeschwindigkeiten und Überflutungstiefen bei einem außergewöhnlichen Starkregenereignis zu finden.

Im Gegensatz zu den Starkregengefahrenkarten zeigen Hochwassergefahrenkarten die Ausuferung von oberirdischen Gewässern für bestimmte Jährlichkeiten, wie z.B. HQ10, HQ50, HQ100 auf. Hochwasser ist im Zusammenhang mit Starkregen zu betrachten. Weitere Informationen und den Link zu den Hochwassergefahrenkarten finden Sie hier.: Hochwasser.

Aufgrund der geringen Vorwarnzeiten und Ausdehnung von Starkregenereignissen sowie das geringe Risikobewusstsein der Kommunen und Bevölkerung ist die Umsetzung von Vorsorgemaßnahmen erschwert. Viele lokale Starkregenereignisse in den letzten Jahren (z. B. Killertal 2008, Glemsgebiet 2010, Bretten und Bonndorf 2015, Biberach oder Braunsbach 2016) haben bewusst gemacht, dass es auch abseits von fließenden Gewässern zu Überflutungen mit enormen Schäden kommen kann. Daher wird in Baden-Württemberg laut den Förderrichtlinien Wasserwirtschaft (FrWw 2015) „die Erstellung von kommunalen Starkregengefahrenkarten mit nachfolgender Risikoanalyse und darauf aufbauendem Handlungskonzept sowie die daraus eventuell resultierenden baulichen Maßnahmen zur Ableitung oder Rückhaltung von Oberflächenabfluss aus den Außengebieten“ (LUBW 2016, S. 8) gefördert, sofern sich das Verfahren an den Leitfaden Kommunales Starkregenrisikomanagement in Baden-Württemberg hält.

Der Leitfaden gibt ein standardisiertes und landesweit einheitliches Vorgehen zur Durchführung von Gefährdungs- und Risikoanalysen bezüglich starkregenbedingter Überflutungen vor. Das Starkregenrisikomanagement sieht dabei folgende Schritte vor:

Phase 1: Überflutungsanalyse

Phase 2: Risikoanalyse

Phase 3: Handlungskonzept

 

Der Gemeinderat der Stadt Ulm hat am 24.03.2017 die Verwaltung mit der Erstellung einer Starkregenkonzeption gem. des Leitfadens des Landes beauftragt. Das Konzept wurde im Herbst 2020 abgeschlossen.

Das Risiko, also die Häufigkeit eines Starkregenereignisses, ist nicht vorhersehbar oder berechenbar. Es kann im Gegensatz zur Hochwasserereignissen (aus Flüssen austretendes Wasser) statistisch nicht erfasst werden. Es kann somit erst in 100 Jahren oder auch in diesem Jahr auftreten. Als Beispiel kann der Ulmer Ortsteil Einsingen dienen: Es wurde innerhalb von 3 Jahren zweimal von einem nicht vorhersehbaren Starkregenereignis getroffen, welches ein 100-jähriges Hochwasser im Ort zur Folge hatte, da der Bach über seine Ufer trat.

Die Stadt Ulm hat in den letzten 3 Jahren für die Bürgerschaft eine Starkregengefahrenkonzeption erstellt. Aus den daraus hervorgegangenen Starkregengefahrenkarten kann jeder Bürger das Risiko für sich und/ oder sein Eigentum abschätzen. Im Zuge des Klimawandels ist eine Zunahme von Starkregenereignissen wahrscheinlich, weshalb die Umsetzung von Maßnahmen zur Sicherung von Personen und Gebäuden im Rahmen der bürgerlichen Selbstvorsorge lieber früher als später, also zeitnah erfolgen sollte.

Gemäß den Vorgaben des Leitfadens „Kommunales Starregenrisikomanagement in Baden Württemberg“ wurden drei Szenarien mittels der Modellrechnungen erstellt:

Das "Seltene Ereignis" ist ein Niederschlagsereignis welch ungefähr alle 30 Jahre auftritt. Bei gutem Zustand der Kanalisation sind die Folgen im geschlossenen Siedlungsbereich noch lokal begrenzt. Außerorts bzw. an Einlaufpunkten können aber bereits erhebliche Schäden auftreten.

Das "außergewöhnliche Ereignis" ist ein Niederschlagsereignis welch ungefähr alle 100 Jahre auftritt. Solche Niederschläge etwa kamen bei den starken Unwetterereignissen 2016 in den betroffenen Gebieten vor.

Das "extreme Ereignis" ist ein Niederschlag, der zu einem extremen Oberflächenabflussereignis führt. Bei diesem Szenario treten großflächige Überflutungen auf. Hier geht es lediglich um Schadensbegrenzung.

Grundlage im Starkregen- und Hochwassermanagements ist bei den Handlungsempfehlungen und Schutzmaßnahmen gemäß der Festlegung des Landes Baden-Württemberg im Wesentlichen das außergewöhnliche Ereignis.

Da die Stadt Ulm eine Beratung über die richtigen Schutzmaßnahmen nicht leisten kann, werden hier nur allgemeine Vorschläge angeboten. Für eine Beratung vor Ort können Architekten, Bauingenieure oder Bauunternehmen angefragt werden.

Erstes Ziel beim Objektschutz ist es, das Wasser möglichst von den Gebäuden fern zu halten. Aufgrund der geringen Reaktionszeiten sind vor allem permanente Hochwasserschutzsysteme geeignet, wie beispielsweise folgende:

  • Leitstrukturen wie Verwallungen, Erddämme, Rinnensysteme
  • Geländemodellierungen
  • Schutzmauern

Sind solche Maßnahmen aufgrund der lokalen Gegebenheiten nicht möglich, gilt es als zweites Schutzziel das Endringen von Wasser in das Gebäude zu verhindern. Mögliche Schutzsysteme können folgende konstruktive Maßnahmen umfassen:

  • Rückstausicherungen (Rückstauklappen, Hebeanlagen inkl. regelmäßiger Wartung)
  • Erhöhung von Hauseingängen durch Treppen und Rampen
  • Erhöhung von Treppenabsätzen von Kellertreppen sowie Sicherung von Garagenzufahrten durch Bodenschwellen
  • Abdichtung des Kellers durch eine weiße oder schwarze Wanne
  • Abdeckung von Kellerlichtschächten oder die Erhöhung von Lichtschächten
  • Umfriedung von Lichthöfen
  • Druckwasserdichte Fenster und Türen, ggf. vollautomatisch regelbar
  • Automatische Klappschotts z.B. für Garagenzufahren

Das drittes Schutzziel ist die Minimierung von Sach- und Personenschäden. Hierfür können u.a. folgende Maßnahmen hilfreich sein:

  • Räumung / Evakuierungsplan
  • Wassermelder und Frühwarnsystem
  • Nutzungsänderung von Räumen
  • Sicherung oder Verlagerung von Heizung, Elektroinstallation etc.
  • Pumpen und entsprechende Vorrichtungen
  • FI-Schutzschalter

Diese Liste befindet sich im Aufbau und wird laufend mit aktuellen Dokumenten ergänzt.

Bundesinstitut BBSR: Leitfaden Objektschutz und bauliche Vorsorge (10,36 MB, pdf)

Hochwassermanagement Baden-Württemberg: Eigenvorsorge im Hochwasserfall (6,01 MB, pdf)

Stadt Karlsruhe: Leitfaden Vorsorge Kellerüberflutung der Stadt Karlsruhe (0,59 MB, pdf)

geomer GmbH und Stadt Ulm (mit weiteren beteiligten Kommunen):

Dynamische Darstellung der Starkregengefahrenkarte

Informationsseite Starkregen und Hochwasser (Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft BW):

Starkregen - Hochwasser Baden-Württemberg

Objektschutz und bauliche Vorsorge (Fachinformation Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI)):

Hochwasserschutzfibel

Eigenvorsorge Bürgerinnen und Bürger (Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft BW):

Hochwasservorsorge - Hochwasser Baden-Württemberg

Eigenvorsorge Hochwasser-Vorsorge (Hochwasser Kompetenz Centrum (HKC) e.V.):

Fragebogen Vorsorge