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Der Löwenmensch aus dem UNESCO Weltkulturerbe

Der aus mehreren Stücken zusammengesetzte Löwenmensch.

Vor rund 40.000 Jahren, als die Menschen noch als Jäger und Sammler unterwegs waren, schnitzten die Höhlenbewohner der Schwäbischen Alb faszinierende Figuren aus Mammutelfenbein. So schufen sie die ältesten beweglichen Kunstwerke der Menschheit. Der Löwenmensch, der im Museum Ulm steht, ist die größte und geheimnisvollste der Eiszeit-Skulpturen.

Mit seinen 31 Zentimetern ist der Löwenmensch ein kleiner Gigant unter den Figuren. Gefertigt aus dem Stoßzahn eines Mammuts, stellt er ein Wesen aus Mensch und Tier dar. Die Beine und die aufrechte Haltung sind menschlich, der Kopf und die Pranken sind die einer Raubkatze. Er ist die älteteste bekannte Figur eines Mischwesens.

Während der Altsteinzeit gab es Löwen auf der Schwäbischen Alb. Doch wie kamen die Menschen dazu, die Züge des Tieres mit denen eines Menschen zu vermischen? Welche Bedeutung kam der Figur zu? Es liegt die Vermutung nahe, dass sie ein Fabelwesen darstellt. Sie könnte aber auch einem Schamanen nachempfunden sein - einem Menschen, der sich einen Löwenschädel samt Fell übergehängt hat. Eine weitere Frage ist, ob die Figur männlich oder weiblich ist. Dies kann nicht mit Bestimmtheit beantwortet werden. Wie die letzte Restaurierung jedoch zum Vorschein brachte, ist die Figur vermutlich männlich.

Nur über Umwege und einen glücklichen Zufall gelangte der Löwenmensch ans Licht. Entdeckt wurde er während einer Ausgrabung im Jahr 1939, ausgerechnet am letzten Tag, bevor die Grabung wegen des Zweiten Weltkriegs abgebrochen wurde. Den Archäologen lagen damals nur Teilstücken vor. Um welche Figur es sich handeln könnte, erkannte man erst über 30 Jahre später. Der Löwenmensch blieb bruchstückhaft.

Erst im Jahr 2009 stießen Archäologen in der Stadel-Höhle erneut auf die Fundstelle. Sie bargen weitere Fragmente, die die Restaurierung befeuerten. Und so wurde der Löwenmensch in einem aufwendigen Verfahren aus über 300 Bruchstücken zu einer fast kompletten Figur zusammengesetzt.

Der Fundort des Löwenmenschen liegt in der Stadel-Höhle im Lonetal. In den Tälern der Ach und Lone befinden sich verschiedene Höhlen, die intensiv erforscht werden. Die Orte und ihre Funde geben besondere Einblicke in das Leben und die Kultur der Altsteinzeit. Die Kunstwerke sind in verschiedenen Museen in Baden-Württemberg ausgestellt. Im Juli 2017 wurden die Eiszeithöhlen von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannt. Das Landesamt für Denkmalpflege in Stuttgart hatte dafür einen 900 Seiten langen Antrag erstellt. Infos zu den verschiedenen Höhlen und wie sie besichtigt werden können, finden Sie auf www.welt-kultursprung.de.

Bei den Skultpuren handelt es sich zumeist um eiszeitliche Tiere wie Mammut, Wisent, Höhlenbär, Höhlenlöwe oder Wildpferd. Die meisterhaft gefertigten Kunstwerke sind meist nur wenige Zentimeter groß. Neben ihnen wurden auf der Schwäbischen Alb auch die frühesten Musikinstrumente gefunden, die ebenfalls vor rund 40.000 Jahre erstellt wurden. Dafür nutzten die Steinzeitmenschen Elfenbein oder Vogelknochen.