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Wirtschaft und Bevölkerung
3-1 Situation bei Kriegsende
Das wirtschaftliche Leben kommt mit Kriegsende 1945 faktisch zum Erliegen. Die großen Ulmer Betriebe wie Eberhardt, Wieland, Kässbohrer, KHD (ehem. Magirus) oder Ott, die bis zum Kriegsende überwiegend Rüstungsgüter hergestellt haben, beschäftigen im Mai 1945 nur noch einen Bruchteil ihrer Belegschaft vor allem mit Reparatur- oder Instandsetzungsarbeiten. Ein wirtschaftlicher Wiederaufbau wird u. a. erschwert durch Rohstoffmangel, die zerstörte Infrastruktur, die schleichende Geldentwertung, die fehlende Nachfrage, die Demontagen und die Direktiven der Besatzungsmacht. In Ulm kommt noch erschwerend hinzu, dass ein Großteil der Produktionsstätten zerstört worden ist und ausgelagerte Fabrikationsstandorte in Kasernen als Wohnraum für Zivilbevölkerung oder militärische Unterkunft der Amerikaner requiriert werden. Der Binnenmarkt ist quasi zum Erliegen gekommen, worunter auch die Handwerksbetriebe leiden. Die wenigen vorhandenen Lebensmittel und Konsumgüter sind bewirtschaftet. Die Not leidende Bevölkerung versucht auf dem Schwarzmarkt oder bei Hamsterfahrten in die Umgebung ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Zwischen den Gemeinden und Kreisen in Süddeutschland herrscht Konkurrenzkampf pur: jeder ist sich selbst der Nächste, wenn es um die Versorgung der eigenen Bevölkerung geht.
Erst allmählich kommt das wirtschaftliche Leben wieder in Gang. Die Infrastruktur wird wieder hergestellt, die Betriebe stellen auf Friedensproduktion um, neue Betriebe siedeln sich in Ulm an (z. B. Telefunken), Vertriebene gründen Fabriken; die Stadt stellt im Donautal die Weichen für eine Industrieansiedlung mit langfristigen Perspektiven. Mit der Währungsreform im Juni 1948 und der Aufhebung der Bewirtschaftung werden die Voraussetzungen für eine Neubelebung des Marktes geschaffen. Die kontinuierlichen wirtschaftlichen Steigerungsraten kommen zunächst nur den Unternehmen zugute, denn die Kaufkraft der Bevölkerung hält mit den steigenden Lebenshaltungskosten zunächst nicht stand, dazu kommt eine bis 1955 konstant hohe Arbeitslosigkeit.
Ein Hauptproblem des ersten Nachkriegsjahrzehnts bleibt die Wohnraumbeschaffung, die sich wegen des permanenten Zuzugs von Kriegsheimkehrern und Vertriebenen verschärft. Unter ihnen sind viele, die Anspruch auf Entschädigung nach dem Lastenausgleichsgesetz haben, was was ihnen den Neuanfang und Integration in Ulm erleichtert
Erst allmählich kommt das wirtschaftliche Leben wieder in Gang. Die Infrastruktur wird wieder hergestellt, die Betriebe stellen auf Friedensproduktion um, neue Betriebe siedeln sich in Ulm an (z. B. Telefunken), Vertriebene gründen Fabriken; die Stadt stellt im Donautal die Weichen für eine Industrieansiedlung mit langfristigen Perspektiven. Mit der Währungsreform im Juni 1948 und der Aufhebung der Bewirtschaftung werden die Voraussetzungen für eine Neubelebung des Marktes geschaffen. Die kontinuierlichen wirtschaftlichen Steigerungsraten kommen zunächst nur den Unternehmen zugute, denn die Kaufkraft der Bevölkerung hält mit den steigenden Lebenshaltungskosten zunächst nicht stand, dazu kommt eine bis 1955 konstant hohe Arbeitslosigkeit.
Ein Hauptproblem des ersten Nachkriegsjahrzehnts bleibt die Wohnraumbeschaffung, die sich wegen des permanenten Zuzugs von Kriegsheimkehrern und Vertriebenen verschärft. Unter ihnen sind viele, die Anspruch auf Entschädigung nach dem Lastenausgleichsgesetz haben, was was ihnen den Neuanfang und Integration in Ulm erleichtert
3-2 Ulmer Kasernen als Notunterkunft und Arbeitsstätten
Die zahlreichen Kasernen aus Ulms militärisch geprägter Vergangenheit haben den Bombenkrieg teils unversehrt, teils sehr stark beschädigt überstanden. Nach Ende ihrer militärischen Nutzung 1945 sind sie in die Hand der Amerikaner gelangt, die sie selbst genutzt oder der Stadt Ulm bzw. anderen Stellen überstellt haben. So werden sie als willkommene Wohngelegenheit, aber auch als Ersatzwerkstätten für Ausgebombte und Flüchtlinge genutzt. Daneben dienen sie als Schule, Ersatzkrankenhaus oder Durchgangslager für Heimatvertriebene, Kriegsheimkehrer und Displaced Persons. Belegt werden auch ehemalige Festungsanlagen wie zum Beispiel Fort Albeck, die zuvor nicht militärisch genutzt worden sind. Gerade wegen der Unterbringungsmöglichkeit ist die Zahl von sog. DPs in Ulm sehr hoch, zeitweilig machen sie 8 % der Gesamtbevölkerung aus. Häufig kommt es zu Spannungen zwischen Einheimischen und Fremden.
Als 1950 die Amerikaner ankündigen, alle Kasernen in Anspruch nehmen zu wollen, ist die Stadt gezwungen, innerhalb kürzester Zeit Ersatzwohnraum und Ersatzgelände für Unternehmer bereitzustellen. Als Grundlage für die städtische Planung werden die in den Kasernen untergebrachten Bewohner und Betriebe statistisch erfasst. Diese Statistiken sind Grundlage der vorliegenden Tabelle. Spätere Zahlen von 1957, die nach Abschluss der gesamten Umsiedlungsaktion im Gemeinderat vorgelegt worden sind, differieren z. T. erheblich von diesen Zahlen, was an den ungenauen Erfassungsmöglichkeiten und dem laufenden Wechsel liegen mag; zudem erfasst die Statistik von 1957 wohl nur die vom städtischen Umzugsprojekt Betroffenen, nicht aber solche, die die Stadt verlassen oder auf eigene Faust andere Möglichkeiten gefunden haben.
Deutlich wird aber, dass diese Aktion der Kasernenauslagerung die Stadt Ulm zu einem zukunftsorientierten Industrieansiedlungs- und Wohnungsprogramm gezwungen hat. Ohne diesen unmittelbaren Zwang wären die Wohngebiete am Eselsberg und am oberen Kuhberg ebenso wie das Industriegebiet Donautal nicht so schnell entstanden.
Als 1950 die Amerikaner ankündigen, alle Kasernen in Anspruch nehmen zu wollen, ist die Stadt gezwungen, innerhalb kürzester Zeit Ersatzwohnraum und Ersatzgelände für Unternehmer bereitzustellen. Als Grundlage für die städtische Planung werden die in den Kasernen untergebrachten Bewohner und Betriebe statistisch erfasst. Diese Statistiken sind Grundlage der vorliegenden Tabelle. Spätere Zahlen von 1957, die nach Abschluss der gesamten Umsiedlungsaktion im Gemeinderat vorgelegt worden sind, differieren z. T. erheblich von diesen Zahlen, was an den ungenauen Erfassungsmöglichkeiten und dem laufenden Wechsel liegen mag; zudem erfasst die Statistik von 1957 wohl nur die vom städtischen Umzugsprojekt Betroffenen, nicht aber solche, die die Stadt verlassen oder auf eigene Faust andere Möglichkeiten gefunden haben.
Deutlich wird aber, dass diese Aktion der Kasernenauslagerung die Stadt Ulm zu einem zukunftsorientierten Industrieansiedlungs- und Wohnungsprogramm gezwungen hat. Ohne diesen unmittelbaren Zwang wären die Wohngebiete am Eselsberg und am oberen Kuhberg ebenso wie das Industriegebiet Donautal nicht so schnell entstanden.
3-3 Zwangsbewirtschaftung und Schwarzmarkt
Der Zusammenbruch der Infrastruktur, die neu gezogenen Zonengrenzen, die allgemeine rechtliche und politische Unsicherheit führen in Zusammenhang mit der fehlenden Rohstoffversorgung zu einem faktischen Erlöschen jeglicher Produktion und damit zu einem Mangel an lebensnotwendigen Gütern, was nur mit Hilfe einer strikten Zwangsbewirtschaftung sehr unzulänglich verwaltet werden kann. Auf der Ebene der Betriebe führt der Mangel zur Bildung eines so genannten "grauen Marktes", d. h. zurück in die Zeit des Tauschhandels. Die nackte existenzielle Not zwingt die Bürger, sich auf dem schwarzen Markt einzudecken, der in Ulm vor allem an der Schillerstraße, vor dem Hauptbahnhof und in der Platzgasse geblüht hat.
- Quelle 1: Wirtschaftliche Lageberichte von September 1947 (pdf) (PDF, 482 KB)
- Quelle 2: Lebensmittel- und Bezugsmarken (pdf) (PDF, 406 KB)
- Quelle 3: Beschwerden gegen das städtische Wirtschaftsamt (pdf) (PDF, 277 KB)
- Quelle 4: Strafsache wegen Verstoßes gegen die Lebensmittelbewirtschaftung (pdf) (PDF, 145 KB)
- Quelle 5: Foto "Schwarzmarkt" (pdf) (PDF, 56 KB)
3-4 Währungsreform
Die weltpolitische Entwicklung, die nach 1945 rasch zu einer Entfremdung zwischen den Siegermächten USA und Sowjetunion geführt hat, hinterlässt natürlich auch ihre Spuren in Ulm. So wird am Samstag, 19. Juni 1948, über Rundfunk und Presse die schon 1945 geplante, schließlich nur in den Westzonen durchgeführte Währungsreform bekannt gegeben. Schon am 16. Juni ist das neue Geld über die Autobahn nach Ulm angeliefert und in stark gesicherte Tresore eingelagert worden. Gerüchte über eine bevorstehende Währungsumstellung führen am Freitag dazu, dass viele Menschen versuchen, ihre Altgeldbestände los zu werden: Geschäfte, vor allem Apotheken, sind überlaufen, Eisenbahnen überfüllt, Telefonverbindungen überlastet. Viele Läden bleiben geschlossen oder öffnen nur kurzfristig. Lautsprecherwagen warnen schon am Freitag die öffentlichkeit vor Panik. Am Sonntag, den 20. Juni, kann jeder 40 Mark (alt) gegen 40 Mark (neu) umtauschen. Bei den Ausgabestellen für dieses sogenannte Kopfgeld erhält jeder einen Vordruck, auf dem er seine Altgeldbestände angeben muss. Diese Angaben dienen als Grundlage für die individuelle Währungsumstellung. Ab Montag, 21. Juni, kann nur noch in neuer Währung bezahlt werden.
Das wirtschaftliche Leben normalisiert sich allmählich. Zeichen der Normalität sind die wieder regelmäßig stattfindenden Märkte wie z.B. der Pferdemarkt.
Das wirtschaftliche Leben normalisiert sich allmählich. Zeichen der Normalität sind die wieder regelmäßig stattfindenden Märkte wie z.B. der Pferdemarkt.
- Quelle 1: Artikel aus "Die Neue Zeitung" vom 19. Juni 1948 über die Bestimmungen zur Durchführung der Währungsreform (pdf) (PDF, 274 KB)
- Quelle 2: Formular zur Anmeldung und Ablieferung von Altgeld (pdf) (PDF, 462 KB)
- Quelle 3: Aufruf von Oberbürgermeister Pfizer zur Währungsreform in der Schwäbischen Donauzeitung vom 19. Juni 1948 (pdf) (PDF, 238 KB)
- Quelle 4: Pferdemarkt auf dem Weinhof 1949 (pdf) (PDF, 59 KB)
3-5 Industrieansiedlung im Donautal
Am 14. April 1950 fällt der Stadtrat den Beschluss zum Bau eines neuen Industriegebietes im Donautal zwischen den Haltepunkten Ulm - Donautal und Ulm - Grimmelfingen an der Bahnlinie Ulm - Friedrichshafen. Vorüberlegungen dazu gab es schon im Zusammenhang mit dem Generalbebauungsplan 1925. Allerdings gab es damals Einwände wegen der notwendigen Auffüllung und Entwässerung. Das 1950 anvisierte Gelände befand sich mehrheitlich in städtischem Eigentum. Um die Attraktivität des von der Kernstadt weit entfernten Standortes zu erhöhen, trat die Stadt auch als Bauherr auf, die die fertig gestellten Anlagen den Firmen zur Miete überließ.
Zur besseren Verkehrsanbindung beschließt der Stadtrat am 5. August 1950 den Bau eines Industriegleises ins neue Industriegebiet. Schon am 15. 6. 1951 ist der Rohbau der notwendigen Sammelkläranlage fertig gestellt, sie geht am 25. August 1951 in Betrieb.
Zur besseren Verkehrsanbindung beschließt der Stadtrat am 5. August 1950 den Bau eines Industriegleises ins neue Industriegebiet. Schon am 15. 6. 1951 ist der Rohbau der notwendigen Sammelkläranlage fertig gestellt, sie geht am 25. August 1951 in Betrieb.
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Fachbereich Kultur
Haus der Stadtgeschichte - Stadtarchiv
Matthias Grotz
Telefon: 0731 161-4214

