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Kultur und Schule
4.1 Kultur: Programme, Veranstaltungen, Einrichtungen
Nach dem Zweiten Weltkrieg unterlagen Aktivitäten im kulturellen Bereich zunächst auch der Kontrolle durch die Besatzungsmacht. Dafür zuständig war anfangs Lieutenant Robert Sage - ein junger, zurückhaltender und vernünftigen Vorschlägen zugänglicher Mann. Er selber kümmerte sich um die Wiederbelebung kultureller Institutionen durch personelle Besetzung. Und bei ihm sprachen bald die ersten Interessenten für "Lizenzen" vor. Deutscher "Kulturbeauftragter" wurde im Juli 1945 Kurt Fried. Bis 1933 war er Feuilletonredakteur der demokratischen "Ulmer Abendpost" gewesen. Während der Nazizeit war ihm eine publizistische Tätigkeit versagt. Von ihm gingen wichtige Impulse für das kulturelle Leben der Stadt bis zum offiziellen Ende des Amtes 1950 aus. Seine Vorschläge zum Wiederaufbau des kulturellen Lebens in Ulm von 1945 eignen sich in besonderer Weise zur kritischen Analyse der geistig-kulturellen Nachkriegssituation.
Das kulturelle Leben in Ulm nach dem Zweiten Weltkrieg war deutlich akzentuiert, vielfältig und von Neuansätzen geprägt, die teilweise weit über Ulm hinaus wirkten und wurde bereits damals von der Stadt mit erheblichen Mitteln gefördert.
Wie wichtig das kulturelle Leben für die Menschen damals war, zeigt die Entwicklung des Theaters 1945. Die Initiative dazu ging von einer Gruppe von Schauspielern aus, die der Zufall hierher verschlagen hatte. Alfred Mendler, ein alter Ulmer, scharte sie um sich und erwirkte im Juni 1945 von Lieutenant Sage die 32. Theaterlizenz der US-Zone. Für die Turnhalle der Wagnerschule, die 472 Besuchern Platz bot, entstanden selbstproduzierte Requisiten, Inventar wurde "organisiert". Mit Werken von Curt Goetz, Shakespeare, Bahr und Goethe bestritt man die erste Spielzeit. Zunächst war das Theater ein Privatunternehmen, an dem die Bevölkerung so regen Anteil nahm, dass es ohne Zuschüsse auskam und für das sogar gelegentlich Karten auf dem Schwarzen Markt gehandelt wurden.
Daneben war die 1946 gegründete Ulmer Volkshochschule mit ihren Veranstaltungen anfangs von großer Bedeutung, geriet jedoch bald in eine erhebliche Krise.
Weltgeltung erlangte in den fünfziger und sechziger Jahren die Hochschule für Gestaltung (HfG). Trägerin der Hochschule für Gestaltung war die Geschwister-Scholl-Stiftung, die 1950 von Inge Aicher-Scholl im Gedenken an ihre 1943 hingerichteten Geschwister Hans und Sophie Scholl gegründet wurde. 1953 konnte der Lehrbetrieb aufgenommen werden und 1955 wurden die neuen Gebäude am Oberen Kuhberg eingeweiht. Die Ausbildung war auf vier Jahre angelegt. Nach dem Grundstudium im ersten Jahr waren die folgenden drei Jahre der Vertiefung in den Fachgebieten Produktgestaltung, Visuelle Kommunikation, Architektur/Bauen, Information (bis 1964) und Film gewidmet, wobei letzteres bis 1961 bei der visuellen Kommunikation beheimatet war und ab dann als eigenständiges Fachgebiet weitergeführt wurde. Die HfG bestand noch bis 1968.
Die erste Zeitung in deutscher Sprache waren "Die Mitteilungen", ein alliiertes Nachrichtenblatt, das kostenlos an die Bevölkerung abgegeben wurde. Als erstes von deutschen hergestelltes Druckerzeugnis erschien am 23. Juni 1945 das "Amtsblatt", das ausschließlich Bekanntmachungen und Kleinanzeigen enthielt und für das der OB verantwortlich war. Die erste deutsche Tageszeitung, die eine Lizenz durch die amerikanische Nachrichtenkontrolle erhielt, war die Schwäbische Donau-Zeitung, die am 10. November 1945 erstmals erschien. Bis zum Sommer 1946 wurde sie in Blaubeuren gedruckt. Wegen Papiermangels erschien sie lange nur zwei-, später dreimal wöchentlich, erst ab 1. Dezember 1948 dann täglich.
- Quelle 1: Vorschläge zum Wiederaufbau des kulturellen Lebens in Ulm (pdf) (PDF, 351 KB)
- Quellen 2 und 3: Tabelle: Entwicklung des Kulturetats der Stadt Ulm 1946 - 1955 und der Besucherzahlen und Spieltage des Theaters 1945 - 1955 (pdf) (PDF, 108 KB)
- Quelle 4: Anzeige des Ulmer Theaters und Aufruf zu Spenden (pdf) (PDF, 131 KB)
- Quelle 5: Veranstaltungsprogramm der Volkshochschule von Mai 1946 (pdf) (PDF, 744 KB)
- Quelle 6: Rechenschaftsbericht der Volkshochschule für das letzte Quartal 1948 (pdf) (PDF, 426 KB)
- Quelle 7: Foto: Plakat-Anschlagsäule für kulturelle Veranstaltungen, 1951 (pdf) (PDF, 95 KB)
- Quelle 8: Ankündigung der Gründung der Hochschule für Gestaltung, 1951 (pdf) (PDF, 507 KB)
- Quelle 9: Erste Ausgabe der Schwäbischen Donau-Zeitung vom 10. November 1945 (pdf) (PDF, 636 KB)
4-2 Schule: Aufbau und Neuorientierung
Zu den wichtigsten kulturpolitischen Aufgaben gehörten nach dem Zweiten Weltkrieg Wiederaufbau und Ausbau des Schulwesens. In der Stadt waren am Ende des Krieges alle Schulhäuser bis auf vier am Rande der Altstadt völlig zerstört worden. Als im Herbst 1945 der Unterricht wieder aufgenommen wurde, war man auf höchst mangelhafte Behelfsräume in Gastwirtschaften, Baracken und Kasernen angewiesen. (Vgl. Abschnitt 3-1: Ulmer Kasernen als Notunterkunft und Arbeitsstätten)
Der Wiederaufnahme eines geregelten Unterrichts standen jedoch noch andere Faktoren entgegen, wie fehlende oder politisch belastete Lehrer, Mangel an Lehrmaterialien, Unterernährung der Schüler und eine starke Zunahme der Schülerzahlen durch Flüchtlinge und Vertriebene. Die baldige Wiederaufnahme des Schulbetriebs wurde als sehr wünschenswert angesehen, um einer Verwahrlosung bis zur drohenden Kriminalität, dem Verlust jeder Arbeitshaltung bei den Jugendlichen zu begegnen
Erst im Jahre 1949 konnte der erste Schulneubau - die Friedensschule - begonnen werden. Sie wurde 1950 ihrer Bestimmung übergeben. Für wie bedeutsam aber in der Stadt unter OB Theodor Pfizer der Wiederaufbau des Schulwesens erachtet wurde, wurde bereits 1953 am "Tag der Schule" überdeutlich, als allein an einem Tag sechs Schulhäuser mit 79 Klassenzimmern und 22 Spezialunterrichtsräumen eingeweiht wurden. Wohl war damit die dringende Raumnot im Schulbereich gelindert aber noch keineswegs beseitigt und bedurfte auch weiterhin großer Anstrengungen seitens der Stadt gerade für die höheren Schulen.
Das führte im Herbst 1953 sogar zu einem Schülerstreik an der
Kepler-Oberschule. Schließlich wurde aber 1954 mit dem Neubau begonnen.
Kepler-Oberschule. Schließlich wurde aber 1954 mit dem Neubau begonnen.
Wegen der anhaltend schlechten Ernährungslage der Bevölkerung erhielten die Schüler von Ende 1946 bis Ende 1950 täglich die von dem amerikanischen Präsident Herbert Hoover (1874 - 1964, Präsident 1929 - 1933) ins Leben gerufene sogenannte Hooverspeisung, die auch danach in städtischer Regie als Schulgesundheitsfürsorge eingeschränkt weitergeführt wurde.
Das Thema eignet sich auch zur Zeitzeugenbefragung
Das Thema eignet sich auch zur Zeitzeugenbefragung
- Quelle 1: Statistik über die Kriegsschäden an Ulmer Schulgebäuden (pdf) (PDF, 22 KB)
- Quelle 2: Beschreibung der Verhältnisse an der Keplervolksschule, Februar 1948 (pdf) (PDF, 479 KB)
- Quelle 3: Überlegungen über die Wiederaufnahme des Schulbetriebs im Juni 1945 (pdf) (PDF, 458 KB)
- Quellen 4 und 5: Fotos: Gymnasium und Kepler-Oberschule im Jahr 1948 und 1956 (pdf) (PDF, 196 KB)
- Quelle 6: Raummangel an der Kepler-Oberschule, 1950 (pdf) (PDF, 548 KB)
- Quelle 7: Foto: Baracken der Kepler-Oberschule, 1953 (pdf) (PDF, 86 KB)
- Quelle 8: Schülerstreik an der Kepler-Oberschule (pdf) (PDF, 172 KB)
- Quelle 9: Kepler-Kessel, Schülerzeitung des Kepler-Gymnasiums von Dezember 1953 (pdf) (PDF, 284 KB)
- Quelle 10: Hooverspeisung, Mitteilung im Amtsblatt, Juli 1948 (pdf) (PDF, 175 KB)
- Quelle 11: Speiseplan der Hooverspeisung Februar 1948 (pdf) (PDF, 457 KB)
Ihr/e Ansprechpartner/in
Fachbereich Kultur
Haus der Stadtgeschichte - Stadtarchiv
Matthias Grotz
Telefon: 0731 161-4214

