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Das Fischer- und Gerberviertel

Alte Häuser stehen am Ufer eines kleinen Flusses.

Nirgendwo vergisst man die Gegenwart so schön wie bei einem Spaziergang durch das Ulmer Fischerviertel. Wenige Schritte südlich der modernen Stadtmitte beginnt seine verwunschene Welt, in der Fachwerkhäuser vom Wasser umspielt werden. Glitzerndes Blau, tropfende Mühlräder, Spatzengezwitscher. Die Gassen verlaufen bis zu den Toren der Stadtmauer, wo sich der herrliche Blick auf die Donau eröffnet. All das macht das einstige Handwerkerquartier nach dem Münster zur beliebtesten Sehenswürdigkeit.

Eine steinerne Brücke führt über einen kleinen Fluss.

Zwei Flussarme der Blau durchfließen das Viertel und münden schließlich in die Donau. Viele der malerischen Gebäude aus dem 15. bis 17. Jahrhundert stehen mit einem Teil ihres Fundaments direkt im Wasser. Weil der weiche Untergrund nachgab, senkten sie sich im Lauf der Zeit ab. Diese Schieflage verleiht dem Fischerviertel seinen typischen Charme.

Besucher sitzen draußen vor einem Restaurant.

Die Fischer siedelten sich im Mittelalter auf dem Gelände an. Sie fuhren mit kleinen Booten auf die Donau hinaus und kehrten mit frischem Fisch zurück. Später wurde der Schiffbau zu einem wichtigen Wirtschaftszweig. Es entstanden flache Holzboote mit kastenförmigen Aufbauten, die aufgrund ihrer Form als "Ulmer Schachteln" bekannt wurden. Sie transportierten Menschen und Waren in die donauabwärts gelegenen Länder.

Alte Gerberhäuser stehen am Wasser.

Auch wenn man meist vom Fischerviertel spricht, heißt das Gebiet korrekterweise "Fischer- und Gerberviertel". Denn die Lage am fließenden Wasser war auch für die Gerber ideal. Ihre Häuser zeugen eindrucksvoll von der Herstellung des Leders. Auf Holzpfählen im seichten Wasser erheben sich Galerien (Balkone), auf denen die Tierhäute bearbeitet und zum Abtropfen aufgehängt wurden. Darüber hinaus hielt die Wasserkraft insgesamt sieben Mühlräder am Laufen.

Schwarz-weiß-Aufnahme des Fischerviertels aus dem Jahre 1914

© Verlag B. Walcher, Ulm 1914

Mit Altstadtromantik hatte das Leben in früheren Zeiten freilich wenig zu tun. Die faulenden Tierhäute setzten einen enormen Gestank in den Gassen frei. Das muss man heutzutage nicht mehr befürchten. Stattdessen kann man die Atmosphäre in einem Café oder Restaurant genießen. Denn wie man gut speist und trinkt, das weiß man im Fischerviertel schon seit Jahrhunderten.