Navigation und Service

Springe direkt zu:

Besuchertrend - Sensoren zeigen, wo mehr los ist

Stadtkarte von Ulm mit grünen Markierungen auf den zentralen Plätzen

© Leaflet | Map data © OpenStreetMap contributors

Manchmal helfen schon kleine Hinweise, eine gute Entscheidung zu treffen: Mit Hilfe von acht Sensoren können Besucherinnen und Besucher in Ulm ab jetzt erkennen, an welchen Orten der Innenstadt mehr oder weniger los ist. Die entsprechende Karte zeigt in grünen und gelben Wolken, wie hoch das aktuelle Besucheraufkommen an acht Schlüsselpunkten der Ulmer City ist.

Hier gelangen Sie direkt zu einer Karte mit den aktuellen Daten auf www.ulm.de/besuchertrend: Besuchertrend

Für Oberbürgermeister Gunter Czisch ist dies in der aktuellen Corona-Pandemie ein wichtiges Instrument, mit dessen Hilfe die Bürger für sie richtige Entscheidungen treffen können: "Wir stellen damit der Bürgerschaft Informationen in Echtzeit zur Verfügung, die helfen können, sich zu entscheiden, ob und wohin man in die Innenstadt geht," hebt er den Nutzen dieser Trendmessung hervor. Wenn etwa in der Platzgasse gerade mehr los, geht man vielleicht etwas später, wenn man als Bürgerin oder Bürger Kontakte vermeiden will. Das war so vorher nicht möglich - da waren Bauchgefühl und Erfahrungswerte die einzigen Entscheidungsgrundlagen.

Sabine Meigel, Leiterin der Geschäftsstelle Digitale Agenda in der Stadt Ulm, ist ein weiterer Aspekt wichtig: "Dieses Projekt zeigt auch, wie wichtig das Datenethik-Konzept der Stadt Ulm ist, auf dessen Grundlage wir überhaupt erst solche Projekte vorantreiben können." Das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) fördert das Besuchertrend-Projekt im Rahmen des Modellprojekts "Smart Cities", für das Ulm als eine von drei Großstädten ausgewählt wurde. Solche Projekte wie der Besuchertrend in Ulm sollen beispielhaft erproben, wie Digitalisierung nachhaltig und intelligent gestaltet werden kann. Von den Erfahrungen und Erkenntnissen sollen dann möglichst viele deutsche Kommunen profitieren. Insgesamt fördert das BMI in einer ersten Staffel dreizehn Projekte von Städten unterschiedlicher Größe und von Landkreisen.

Wichtig dabei: Die Sensoren erkennen nicht, wer sich in ihrem Messbereich aufhält, lediglich dass sich jemand dort aufhält, kann erfasst werden. Die Sensoren erkennen das WLAN bei aktiven mobilen Endgeräten. Auch wenn die WLAN-Funktion des mobilen Endgerätes ausgeschaltet ist, sendet das WLAN-Modul noch und kann somit von den Sensoren erkannt werden – ohne dass dabei der Besitzer des Endgerätes identifiziert werden kann. Nur mobile Endgeräte, welche im Flugmodus oder komplett ausgeschaltet sind können nicht erkannt werden.
Für OB Czisch zeigt dieses Projekt, wie so genannte offene Daten - also nicht personenbezogene Daten - helfen können, das Zusammenleben der Bürger in der Stadt zu verbessern, auch wenn es hier nur ein kleiner Bereich sei. "Es gehört mit zu unseren Aufgaben, unseren Bürgern zu helfen, gute Entscheidungen treffen zu können," unterstreicht er, "die Besuchertrend-Messung ist dafür ein tolles Beispiel."

Gemessen wird an acht Orten in der Innenstadt:

Glöcklerstraße / Hirschstraße
Sedelhof Passage
Platzgasse / Herrenkellergasse
Hirschstraße / Münsterplatz
Platzgasse / Kohlgasse
Hafenbad / Hafengasse
Hans und Sophie Scholl Platz
Glöcklerstraße / Busparkplatz

Die Daten der Sensoren werden in zwei Kategorien ausgewertet und auf der Karte dargestellt: Eine grüne Wolke verheißt "Alles im grünen Bereich", eine gelbe Wolke weist darauf hin: "Aktuell einige Besucher*innen". Realisiert wurde der Besuchertrend vom Büro citysens in Kooperation mit der Digitalen Agenda der Stadt Ulm.

Die citysens GmbH ist eine im September 2018 gegründete Beteiligungsgesellschaft der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm Telenet GmbH und privatwirtschaftlichen Unternehmen aus der IT Branche, der eXXcellent solutions GmbH, der systemzwo GmbH und der cortex media GmbH. Die citysens GmbH ging aus einer Projektkooperation hervor, die bereits im Jahr 2017 die Thematik „Zählerfernauslesung“ zum Ziel hatte - und dieses Projekt erfolgreich abschloss. Mittlerweile konzentriert sich die citysens GmbH auf die Konzeption und die Umsetzung von „smart city“ Lösungen für kommunale Unternehmen.

Für wen ist diese Kartenanwendung gedacht?
Die Kartenanwendung richtet sich an die Bürgerinen und Bürger, die sich vor allem in Zeiten von Corona vorab informieren möchten, wie frequentiert die Messorte zur Zeit ungefähr sind. Es handelt sich nur um eine Näherungsangabe: "alles im grünen Bereich" und "aktuell einige Besucher:innen". Die Messdaten sind eine erste städtische Testdatenbasis, wieviele Menschen (mit Handys) näherungsweise zu welcher Uhrzeit an den Messorten sind. Ob sich aus der Analyse der Trenddaten langfristig weitere Erkenntnisse für z.B. Besucherstromlenkung und Attraktivitätsverbesserung in der Innenstadt ableiten lassen, lässt sich noch nicht verlässlich sagen, da das Projekt erst Juni 2021 live gegangen ist.

Warum wird nur an acht Stellen in der Innenstadt gemessen?
Wir haben uns auf die Innenstadt fokussiert, da diese von Ulmerinnen und Ulmer, aber auch Gästen aus der Region gerne aufgesucht wird und damit ein höheres Besucheraufkommen hat, als dies beispielsweise in der Oststadt von Ulm der Fall ist. Mit acht Sensoren ist in diesem Pilotprojekt ein Anfang gemacht. Unser Anliegen ist es, Anwendungserfahrungen mit der Technologie und Feedbacks zu sammeln und daraus weitere Interpretationen und nützliche Anwendungsmöglichkeiten abzuleiten.

Welche Technologie wird für die Besuchermessung angewendet und wie valide sind die Ergebnisse?
Die Daten basieren nicht auf Datenquellen externer Firmen wie Google, sondern auf Messungen von vor Ort angebrachten sogenannten Paxcounter-Sensoren. Von den Sensoren werden aktive WLAN-Geräte erkannt, also eingeschaltete Handys (selbst wenn die WLAN-Funktion deaktiviert ist). Handys im Flugmodus oder Personen ohne Handy können von den Sensoren nicht erkannt werden. Der Radius der Messung wird über die Empfangsleistung (RSSI) eingeschränkt und kann nicht in Metern eingestellt werden. Die Position von Bäumen, Gebäuden wirkt sich direkt auf die Detektion der WLAN-Geräte aus. Von den aufsummierten erkannten WLAN-Geräten kann somit nicht auf die tatsächliche Anzahl der Personen vor Ort oder deren genaue Position geschlossen werden. Für die Messorte in der Ulmer Innenstadt wurden deswegen in einer Testphase vor Ort Vergleichszählungen durchgeführt. Die Messergebnisse liefern einen Trend, wie frequentiert die Orte näherungsweise sind.

Datenschutz - was wird gespeichert, und wo?
Auf Grund der verwendeten Technologie der paxcounter-Sensoren werden KEINE personenbezogenen Daten von den Personen (z.B. die Handynummer) erfasst, sondern nur die auf verschiedenen Kanälen erkannten WLAN-Geräte gezählt und softwareseitig aufsummiert.
Die Rohdaten der Sensoren beinhalten folgende Informationen: _id | wifi | id | timestamp
Ein Beispieldatensatz könnte dann so aussehen: 1 | 739 | pax_heltecv2_10521c5ae65cefee | 2021-06-08T 14:25:42
Die Rohdaten sollen perspektivisch auf der Datenplattform datenhub.ulm.de für alle zur Verfügung gestellt werden. Dann können sich alle selbst ein Bild machen, dass damit keine Rückverfolgung auf eine bestimmte Person möglich ist.