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"Ulmer Rede für Europa" mit Dekan Gohl

Dekan Gohl vor einem Gebäude

© Evangelischer Kirchenbezirk Ulm

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Ulmer Reden für Europa" war am 17.09.2019 Ernst-Wilhelm Gohl, Dekan des evangelischen Kirchenbezirks Ulm, zu Gast. Seine "Ulmer Rede für Europa" widmete sich dem Thema "Europa, die Kirchen und die soziale Frage".

Dekan Ernst-Wilhelm Gohl stellte die soziale Frage in den Mittepunkt seines Vortrags. "
Eine Gemeinschaft, die die soziale Frage ignoriert, hat keine Zukunft. Das gilt für alle Gemeinschaften – auch für Europa.", so Gohl. Gerade der Erfolg des europäischen Friedensprojekts habe die Begeisterung hierfür abnehmen lassen, erklärte Gohl. Was man heute beobachte, sei eine Reduktion der EU auf wirtschaftliche Aspekte. Eine rein wirtschaftliche Begründung könne Europa jedoch nicht tragen, das habe schon Delors zu seiner Zeit erkannt. Man müsse es schaffen, Identität und Zugehörigkeitsgefühl bei den Menschen in Europa zu schaffen. Das Bewusstsein der Menschen "Wir gehören zu Europa!" bezeichnete Gohl als grundlegend. Was man jedoch stattdessen beobachte, sei die Entstehung antieuropäischer Parteien in vielen Staaten.

Die sechs Punkte, welche die Evangelischen Kirchen in Elsass Lothringen und die benachbarten Landeskirchen aus Baden und der Pfalz im Vorfeld der Europawahl einforderten, sind auch Gohl ein Anliegen. Darunter ist z.B. die Forderung nach einem klimaneutralen Europa bis 2040. Die Klimagerechtigkeit gehöre in diesem Zusammenhang ganz oben auf die politische Agenda. Eine weitere Forderung ist die konsequente Verteidigung zentraler europäischer Prinzipien wie der Rechtsstaatlichkeit und der Subsidiarität.


Auch heute, über 100 Jahre bzw. über 75 Jahre nach Ende des 1. und 2. Weltkrieges, spiele das gegenseitige Zuhören in Europa eine zentrale Rolle. Man müsse bereit sein, anderen zuzuhören "und nicht immer gleich zu bewerten und zu beurteilen". Nur so war eine Versöhnung zwischen verfeindeten europäischen Staaten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs möglich, wie Gohl ausführte. Damals suchten die evangelischen Kirchen im Sinne der Versöhnungsbotschaft z.B. bewusst die Begegnung mit den Christen aus bisher verfeindeten Staaten.

Abschließend schlussfolgerte Gohl, dass Europa keine Seele, sondern vielmehr eine Vision brauche: "Die Vision eines demokratischen, solidarischen und vielfältigen Gemeinwesens, das die Würde der Menschen stärkt, Frieden und Gerechtigkeit stiftet und die Schöpfung bewahrt".

Die vollständige Rede von Dekan Gohl zum Thema "Europa, die Kirchen und die soziale Frage" finden Sie in der rechten Spalte als PDF-Dokument.