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"Troll" - Lesung mit Michal Hvorecky

Publikum und Podium

© Europe Direct Ulm

Am 10. April las der slowakische Autor Michal Hvorecky aus seinem aktuellen Roman "Troll" in der Stadtbibliothek Ulm. Die Lesung wurde vom Europe Direct Informationszentrum und der Stadtbibliothek gemeinsam veranstaltet. Michal Hvorecky beschreibt in seinem Roman ein Land, in dem die öffentliche Meinung durch Propaganda, Populismus und Trolle geprägt wird. Die Lesung aus seinem Buch stieß eine rege Diskussion über die Manipulation der öffentlichen Meinung in der digitalen Welt sowie über die politische Situation in der Slowakei an.

Eigentlich wollte Michal Hvorecky mit seinem Roman eine düstere Zukunftsvision beschreiben. Seine Idee war, aufzuzeigen, was passieren könnte, wenn man die negativen Auswirkungen von Internetkommunikation und Populismus zu Ende denkt. Er beschreibt in seinem Werk die verheerenden Auswirkungen auf Identität und Seele einer Gesellschaft, die von Fake News und Korruption regiert wird. Inzwischen wird das Buch eher als Kommentar der Gegenwart gelesen. Die Realität hat die erzählte Geschichte eingeholt, so Hvorecky.

Das Buch beruht in Teilen auf autobiografischen Erfahrungen, erzählte der Autor in der anschließenden Diskussionsrunde. Michal Hvorecky, der selbst schon Opfer von digitalem Hass geworden ist, kennt einige Trolle sogar persönlich. Als er den Roman 2015 zu schreiben begann, hielt er die Gefahren, die von Fake News und Trolling ausgehen, noch für stark unterschätzt. Doch auch heute wehrt sich Europa seiner Meinung nach noch viel zu wenig. Die Manipulation der öffentlichen Meinung sei nichts Neues, doch digitale Propaganda sei weit weniger greifbar und werde, insbesondere mit der Hilfe von Trollen, als solche oftmals gar nicht wahrgenommen. Vor allem in osteuropäischen Ländern seien Fake-News-Seiten inzwischen zum Mainstream geworden. Hvorecky appellierte dazu, sich mit der Problematik ernsthafter auseinanderzusetzen. Die sozialen Netzwerke sind für Michal Hvorecky Fluch und Segen sogleich. So wurde die erste Demonstration nach dem Doppelmord an dem slowakischen Journalisten Jan Kuciak und seiner Verlobten über Facebook angekündigt. Über die sozialen Netzwerke entwickelte sich die Protestbewegung "Für eine anständige Slowakei".

Auch die Präsidentschaftswahl, die in der Slowakei kürzlich stattfand, wurde angesprochen. Für den aus Bratislava stammenden Schriftsteller war der Sieg der pro-europäischen Anwältin Zuzana Caputová unerwartet, aber für die Zukunft der Slowakei sehr wichtig. In einem Wahlkampf, der in Teilen sehr schmutzig verlief, sprach sie sich für einen fairen Wahlkampf aus. Ihr Sieg drückt seiner Meinung nach den Wunsch nach einer anderen Art der Politik in der Slowakei aus, die insbesondere Angriffe auf Journalisten und oppositionelle Stimmen nicht mehr akzeptiert.

Nach der Lesung wurde anhand der Fragen aus dem Publikum schnell deutlich, wie aktuell und wichtig Hvoreckys Werk ist. Der Schriftsteller betonte abschließend, dass wir immer noch selbst die Macht hätten, etwas gegen die gezielte Einflussnahme und Manipulation der öffentlichen Meinung zu tun.