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"Ulmer Rede für Europa": Thun-Hohenstein bezeichnet Ulm als Modellstadt für die Digitalisierung

Podiumsgespräch

© Europe Direct Ulm

Thun-Hohenstein im Podiumsgespräch mit OB Czisch und SWP-Chefredakteur Becker

Am Abend des 22. März 2017 beleuchtete der österreichische Jurist, Diplomat und Kunst- manager Dr. Dr. Christoph Thun- Hohenstein die Rolle Europas im Digitalisierungsprozess. Von 1993 an war er maßgeblich für die juristische Ausgestaltung des österreichischen EU-Beitritts verantwortlich. Seit 2011 ist er Direktor des MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst in Wien. Im Anschluss an seine Rede stellte sich Thun-Hohenstein den Fragen von Oberbürgermeister Gunter Czisch und Ulrich Becker, Chefredakteur der SÜDWEST PRESSE.

Bildung und digitale Bildung sind der Schlüssel für die Zukunft Europas. Davon ist Christoph Thun-Hohenstein überzeugt. Der Jurist und Direktor des Museums für angewandte Kunst in Wien entwickelte in seiner „Ulmer Rede für Europa“ ein demokratisches Zukunftsszenario für das Europa der Digitalisierung. Thun-Hohenstein war früher als renommierter Europarecht-Jurist und Diplomat maßgeblich am EU-Beitritt Österreichs beteiligt.

Grundsatz der Rede war die Frage: „Wo wollen wir in Europa hinkommen?“. Dies gelte für die Welt der „Neuen Moderne“ der Digitalisierung. 2007 kam das erste iPhone auf den Markt. Thun-Hohenstein stellte für ihn unverzichtbare Grundbedingungen vor, darunter „Commons“ (Gemeinwohl), aufgeklärte Regionalität, Subsidiarität, Nachhaltigkeit, Menschenrechte und Bildung. Europa müsse sowohl von oben, also von den EU-Instanzen, als auch von unten in den Regionen unter Beteiligung der Bürger/innen neu gebaut werden. „Es wäre Wahnsinn, dieses europäische Projekt aufzugeben“, so Thun-Hohenstein.

Thun-Hohensteins wichtigster Ansatz ist digitale Bildung in allen Generationen. Er sprach sich für die Gründung einer nicht-gewinnorientierten „Europäischen Social Media Plattform“ aus, damit die Nutzer/innen frei entscheiden könnten und nicht mit Werbung belästigt werden würden. Ihre Daten sollten nicht mehr erfasst und verwertet werden. Er könne sich dafür einen kleinen Mitgliedsbeitrag der Nutzer/innen vorstellen. Die sozialen Medien sollten als Plattform genutzt werden, damit vor Ort aus „Followers“ durch direkte Begegnungen Freunde werden könnten.

Gewinnorientierung und Gemeinwohl müssten miteinander verknüpft werden. Dazu gehöre selbstverständlich, dass Unternehmen am Ort der Wertschöpfung korrekt Steuern zahlen. In einem Algorithmus könne man die „Social Responsibility“, also die soziale Verantwortung, eines Unternehmens ausdrücken. Darin einfließen sollten Nachhaltigkeit und Wohltätigkeit eines Unternehmens. Es komme entscheidend darauf an, wahre Qualitätsprodukte länger zu nutzen als ständig neue Wegwerfprodukte zu kaufen.

Chefredakteur Ulrich Becker fragte, wie der Übergang ins neue digitale Zeitalter funktionieren solle. Thun-Hohenstein verwies darauf, entscheidend sei digitale Bildung. Der Ulmer Oberbürgermeister Gunter Czisch fragte vor allem nach der Rolle des Nationalstaats und der Stadt im neuen digitalen Zeitalter. Thun-Hohenstein meinte, das Wichtigste seien Bildung und Bildungsinstrumente, die leicht und schnell zu vermitteln seien– und dies für alle Altersgruppen. Dann gelte es, die aktive Zivilgesellschaft zu fördern und entsprechende wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Zudem sei es entscheidend, die digitale Souveränität der Stadt zu fördern.

Europa sei eine Wertegemeinschaft und eine Qualitätsgesellschaft. Thun-Hohenstein sieht schon gute Ansätze zu einer „Charta der Digitalität“. Der Referent, der auch in New York tätig war, erklärte, nach all dem, was er erfahren habe, könne man Ulm als Modellstadt für die digitale Moderne sehen.