Saatkrähen – Der Falkner unterwegs in Ulm
Seit Februar 2026 ist ein Falkner mit seinen Vögeln in der Ulmer Innenstadt unterwegs. Sie sollen dort die Saatkrähen vergrämen, das heißt wiederholt stören und so vertreiben.
Am 13. November 2025 hat sich Falkner Leo Mandlsperger am Rande des Münsterplatzes einer Gruppe von Kindergartenkindern vorgestellt. Mit dabei war Fips, ein gut trainierter Bussard.
Bei seiner Vorstellung zeigte der Falke, was er alles kann und stibitzte auf Anweisung die Mütze eines Mädchens.
Früher lebten Saatkrähen vor allem in der Umgebung von Feldern. Dort haben sie jedoch immer weniger Lebensraum, mit weniger Möglichkeiten zum Brüten. Deshalb ziehen sie zunehmend in die Städte. Auch in Ulm haben Lärm und Verschmutzung durch Saatkrähen zugenommen, besonders in der Innenstadt. Hier hat der öffentliche Raum jedoch eine sehr breitgefächerte Funktion: Er lädt zum Aufenthalt und zur Erholung ein, bietet Flächen für Außengastronomie und schafft Zugang zu vielseitigen gewerblichen Angeboten und Dienstleistungen.
Zugleich stehen Saatkrähen unter Artenschutz. Die Herausforderung besteht darin, den Tierschutz mit den Bedürfnissen des Menschen in Einklang zu bringen.
Die Greifvögel, vor allem Wüstenbussarde (auch Harris´s Hawk genannt) werden die Saatkrähen wiederholt stören und dadurch vertreiben. Dies kann schon allein dadurch geschehen, dass der Bussard mit dem Falkner in der Nähe ist. Auch das Fliegen in der Luft sowie das gezielte Verfolgen der Krähen sind möglich, ohne diese dabei zu verletzen. Dies stellt eine natürliche Art der Vergrämung dar.
Ziel ist, dass die Saatkrähen sich an Orten ansiedeln, wo sie keine starke Belastung für das Umfeld sind, zum Beispiel im Bereich von Wiesen und Auwäldern.
Die Erfahrung aus anderen Städten zeigt, dass die Vergrämung wirksam sein kann, aber etwas Geduld erfordert. Es ist von mindestens zwei bis drei Jahren auszugehen, bis die Tiere sich dort angesiedelt haben, wo sie bleiben können.
Der Falkner und seine Greifvögel werden im Februar 2026 ihre Arbeit aufnehmen. Sie werden bei Wind und Wetter und auch am Wochenende im Einsatz sein. Ab der Eiablage, die je nach Witterung im späten Frühjahr beginnt, ist jegliche Störung der Saatkrähen untersagt. Der Einsatz soll in den Folgejahren sukzessive fortgeführt werden.
Die Vergrämung wird in der Innenstadt durchgeführt.
Wo die Vögel sich neu ansiedeln, lässt sich im Vorfeld nicht sagen. Die Stadt und der Falkner werden die Situation laufend beobachten. Falls an anderen Stellen ähnlich starke Belastungen auftreten, wird geprüft, ob und wie dort reagiert werden kann. Eingriffe sind jedoch rechtlich begrenzt, da die Saatkrähe unter besonderem Schutz steht.
Leo Mandlsperger (Falcons World) ist ein erfahrener Falkner, der in anderen Städten bereits erfolgreich vergrämt hat. In einer Zuchtstation bilden er und sein Team die Greifvögel aus. Die Ausbildung eines solchen Vogels dauert rund zwei Jahre. Während seines Einsatzes in Ulm wird der Falkner mit seinem Vogel in einem Nebengebäude des Tiergartens wohnen.
Ja. Die Falken werden keine Krähen fangen und töten. Sie sind darauf trainiert, sie zu vertreiben. Die Stadt hat sich im Vorfeld unter anderem mit dem NABU ausgetauscht, um die Sicht der Tierschützer einzuholen.
Für den Einsatz des Falkners, seines Teams und der Vögel trägt die Stadt die Kosten im unteren fünfstelligen Bereich.
Im Herbst 2025 hat der Baubetriebshof die leeren Nester aus den Bäumen in der Innenstadt geholt. Das soll diese Bäume für die Brutzeit im nächsten Jahr weniger anziehend machen. Sollte es vor der Eiablage zu Nestbauaktivitäten der Krähen kommen, werden diese sukzessive abgebaut, um die Brut in der Innenstadt zu verhindern.
Wenn Sie die Stadt auf ein Problem im Zusammenhang mit den Saatkrähen hinweisen möchte, können Sie hier Ihr Anliegen melden.