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Syrer in Ausbildung bei einem Zimmererbetrieb in Bernstadt

"Bei uns zählt nicht, wo man herkommt. Sondern dass man weiß, wo man hinwill"

Meister Hr. Otto und Auszubildender vor dem Modell eines Dachstuhls

Der Slogan der Imagekampagne des Handwerks trifft auf Martin Otto, Chef von Holzbau Otto in Bernstadt, voll zu. Bei ihm hat der 34-jährige in Ulm lebende Syrer Mohamad im Herbst 2016 eine Lehre als Zimmerer angefangen. Susanne Lubos, Kümmerin der Handwerkskammer, unterstützte Mohamad und begleitete die Firma individuell auf dem Weg zum Ausbildungsvertrag. Den entscheidenden Kontakt zur Firma hatte Frau Varnholt hergestellt, bei der der Syrer seinen ersten Deutschunterricht erhalten hatte und die ihn weiterhin fördert.

Erfolg ist, wenn eine Hand in die andere greift und alle wollen. Mohamad, 34 Jahre alt, kam Ende 2015 nach Ulm. Im Jobcenter Ulm ließ er sich zu Handwerksberufen beraten, da er in Syrien bereits 10 Jahre ein kleines Bauunternehmen hatte. Dass seine Wahl auf Zimmerer fiel und seine damalige Deutsch-Lehrerin Frau Varnholt Kontakte zur Holzbaufirma Otto in Bernstadt hatte, war ein Glücksfall. Vorbehalte hatte der Chef der Firma keine. Die Zielstrebigkeit von Mohamad und das Ergebnis eines kurzen Praktikums waren ausschlaggebend. Heute besucht Mohamad in Ehingen das 1. Berufsfachschuljahr für angehende Zimmerer. „Für meine Mitschüler bin ich der Opa, die anderen sind alle deutlich jünger“, sagt er. Neben ihm gibt es noch einen Auszubildenden aus Spanien, die anderen kommen alle aus der Region.

Flüchtlinge müssen die reguläre Ausbildung schaffen. „Im Berufsschulunterricht kann der Lehrer das Tempo wegen ihnen auch nicht verlangsamen“ sagt Frau Lubos, Kümmerin der Handwerkskammer Ulm. Ein Deutschniveau auf dem Level B2 ist deswegen bei Ausbildungsbeginn ratsam. Mathematik und das Schreiben bleiben oft dennoch eine Herausforderung, zumal untereinander eher Schwäbisch denn Hochdeutsch gesprochen werde. Sollte eine Unterstützung zum Erreichen des Ausbildungszieles notwendig werden, kümmert sie sich individuell um geeignete Fördermaßnahmen. „Es gibt auch hier keine Extras für Flüchtlinge“, sagt sie – Fördermaßnahmen stehen allen Auszubildenden nach Einzelfallprüfung offen. Bei der Antragstellung müsse man gut um die jeweiligen Zuständigkeiten und Abgrenzungen wissen.

Mohamads Chef, Herr Otto, hält regelmäßig telefonischen Kontakt zum Meister in der Berufsschule: „Wenn etwas nicht gut läuft, möchte ich gegensteuern können“. So ließ er Mohamad kürzlich an einem Brückentag in die Firma kommen, um gemeinsam mit ihm zu üben. „Mohamad dachte dass er in Deutschland vor allem schnell arbeiten soll. Jetzt weiß er, dass bei dieser Arbeit Genauigkeit wichtig ist“. Montag Nachmittag können Azubis in der Berufsfachschule selbst individuell weiter üben und nachfragen. Dass Mohamad selbst ein Vokabelheft mit Fachvokabular führt, sei wichtig. „Das Vokabular muss sitzen, wenn er ins 2. Ausbildungsjahr kommt“.