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KI für Sicherheit & Wohlbefinden

Lederhof Besichtigung

Die Sicherheit und Aufenthaltsqualität im Areal des Lederhofs in Ulm zu verbessern - das ist Ziel des Digitalen Begleiters.

„Die Idee ist, die persönliche Sicherheit im öffentlichen Raum zu erhöhen“, erläutert Tom Pfau, Projektleiter in der Abteilung Digitale Agenda, die das Projekt von Seiten der Stadt betreut. Hintergrund sind steigende Kosten durch Vandalismus und ein zunehmendes Unsicherheitsgefühl, insbesondere im Bereich des Ulmer Lederhofs. Der Digitale Begleiter setze daher „auf eine vorausschauende Steuerung der Sicherheit und eine datengestützte Prävention, statt einer reaktiven Überwachung – und das bei voller Einhaltung höchster Datenschutz- und Data-Privacy-Standards“, erläutert Pfau.

InMo_LH_Team_DigitalerBegleiter_quer

© Stadt Ulm/DA

Das Team:
Zwei Ulmer Startups, die sich thematisch perfekt ergänzen und gemeinsam  Projekte umsetzen:
SWU Telenet GmbH (vormals citysens GmbH): Laura Vogt (Projektleitung), Nicole Maier (technische Projektleitung), Henning Krone (Geschäftsführer, im Bild rechts)
beebucket GmbH: Daniel Eckstein (Gründer und verantwortlich für den Bereich Data Science), Michael Wielpuetz (Gründer und verantwortlich für den Bereich Entwicklung und Delivery), Tom Dorbandt (beebucket Corporate Council), Luca Uckermann (beebucket Developer), Joshua Lauterbach (beebucket Developer), Florian Mauer-Endler (Geschäftsführer, im Bild links)

Die  Idee:
Ein „Digitaler Begleiter“ auf Basis von optischen Sensoren und Künstlicher Intelligenz („KI“). Diesen trifft man an optisch markierten Punkten an den Ein- und Ausgängen vom Leder- und Deutschhaushof, indem man über einen QR-Code eine mobile App auf seinem Smartphone startet (Datensparsam und ohne Registrierung). Über die optischen Sensoren erfolgt dann eine Lokalisation der zu begleitenden Person mittels KI in Echtzeit. Die KI begleitet die Person DSGVO-konform über alle optischen Sensoren hinweg, bis die Person entweder das Areal sicher verlassen hat, oder aber die Digitale Begleitung über die Mobile App beendet. Im Falle einer durch die KI erkannten Anomalie oder eines über die Mobile App manuell ausgelösten Alarms, wird ein Leitstand entsprechend durch das System informiert und auf die Lage aufmerksam gemacht, um zu helfen. Die KI ermöglicht zusätzlich, DSGVO-konform 24x7 jegliche Anomalien, wie z.B. Schlägereien, sich nicht mehr bewegende/verunfallte Personen, Vermüllung oder Graffiti zu erkennen und präzise, anonyme Statistiken über Besuchertrends und Besucherströme zu erzeugen.

Die Vision:
Das soll erreicht werden: Durch Sicherheit eine höhere Aufenthaltsqualität gewährleisten, sodass sich alle Bevölkerungsgruppen an diesem so schönen Ort wohlfühlen. Wir sehen den Digitalen Begleiter zukünftig in verschiedenen Bereichen einer Stadt. Der Digitale Begleiter gibt Sicherheit in Bereichen, die durch bauliche Probleme oder den Standort an sich dieses Bedürfnis aufrufen.

Lederhof Perspektiven

Der Digitale Begleiter übernimmt dabei die Funktion eines menschlichen Begleiters - jedoch auf Basis von künstlicher Intelligenz („KI“). Das System wertet Bilder aus optischen Sensoren aus (siehe Abbildung) und erlernt damit alle möglichen Varianten von Bewegungsanomalien wie Angriffe, Stürze oder Bewegungslosigkeit ebenso wie Veränderungen im Umfeld, etwa durch Müll oder Graffiti.

Konzipiert als Assistenzsystem, kann die KI bei erkannten Anomalien einen menschlichen Operator gezielt auf den erkannten Umstand aufmerksam machen. So kann sie einen wertvollen Zeitvorteil verschaffen und durch Maßnahmen, wie Veränderung der Beleuchtung oder abspielen eines akustischen Signals, zusätzlich für Aufmerksamkeit sorgen.

Das System kann von allen Menschen genutzt werden, die sich im Areal aufhalten. „Der Service ist für ausnahmslos jeden gedacht, der sich digital begleiten lassen möchte“, heißt es. Der Einstieg erfolgt einfach über den Scan eines QR-Codes am Eingang des Lederhofs. Damit wird die Begleitung über eine mobile Anwendung aktiviert und kann dort auch wieder beendet werden.

Nicht nur Einzelpersonen, auch Gruppen können den Dienst nutzen. „Es werden dabei nur die Personen überwacht, die aktiv die digitale Begleitung aktivieren“, ergänzt Pfau Die maximale Zahl gleichzeitig begleitbarer Personen wird derzeit noch in Last- und Performance-Tests ermittelt. Über die App lässt sich auch manuell Alarm auslösen – beispielsweise, wenn sich eine Person selbst in einer bedrohlichen Situation befindet.

Nach Angaben der Umsetzungspartner bestehen keine grundlegenden technischen Risiken. Dennoch ist das System in der Pilotphase noch nicht fehlerfrei. „Es kann dazu kommen, dass gerade bei vielen Personen auf dem Areal nicht immer zuverlässig erkannt wird, ob es beispielsweise zu einem Handgemenge kommt oder mehrere Personen zu Boden gehen“, sagt der Projektleiter. Die Algorithmen würden jedoch kontinuierlich verbessert, „so dass die Erkennung jeden Tag zuverlässiger wird.“

ZB_Urbaner_Datenraum

© DA

Neben den technischen Herausforderungen sind insbesondere das Thema Datenschutz, Angst vor Überwachung und Vermeidung von Missbrauch ein Kernthema. Hierzu wurden umfangreiche Workshops und Aufklärungskampagnen, etwa mit dem Datenschutzbeauftragten der Stadt Ulm und der Parkbetriebsgesellschaft Ulm sowie der sozialen Jugendarbeit gestartet und erfolgreich umgesetzt.

Zudem wurde eine ausführliche externe Datenschutzfolgeabschätzung durchgeführt. Das Gutachten selbst betrachtet neben der eingesetzten Technik auch die möglichen Risiken im Umgang mit den gewonnenen Daten - etwa inwieweit unrechtmäßiger Zugriff auf die Daten oder das System möglich sein könnte, ob Daten unerwünscht verändert werden oder ob Daten verloren gehen könnten.

Ergebnis des Gutachtens: alles im grünen Bereich. Der Digitale Begleiter bewegt sich auch unter dem Blickwinkel des Datenschutzes in einem rechtlich sicheren Rahmen. Ein wichtiges Thema ist es hierbei, dass keine biometrischen Merkmale erfasst werden. 

Smart City Ulm

© DA

Mit der Umsetzung kann der Digitale Begleiter eine Erfolgsgeschichte für Bürger, Stadt und die beteiligten Unternehmen werden. Neben der Verbesserung der Sicherheit und Aufenthaltsqualität wird der Wirtschaftsstandort Ulm gestärkt und eine auf europäischen Werten und Datenschutz basierende digitale Lösung für ein weitverbreitetes Problem realisiert.

Neben dem Digitalen Begleiter wird sich ebenfalls dem Themengebiet der smarten Beleuchtung angenommen. Die bisherige alte Beleuchtung am Lederhofgelände soll durch neue Multifunktionsstelen ausgetauscht werden, in denen Smarte Module (z.B. Kamera, Lautsprecher, Spots, WLAN) implementiert werden können. Somit wird nicht nur der Platz deutlich besser ausgeleuchtet, ebenso können die Module direkt für den Digitalen Begleiter genutzt werden.

Weiterhin wird sich dem Thema Müll angenommen. In Kooperation mit dem Transferzentrum für Digitalisierung, Analytics & Data Science in Ulm (DASU) wird die Digitale Agenda verschiedene studentische Projekte ausschreiben, um innovative Ideen zum Umgang mit der Müllproblematik am Lederhof zu entwickeln und prototypisch umzusetzen.