Theater Ulm versieht Karajan-Büste mit Kommentar
Intendant
Kay Metzger hat in Abstimmung mit Bürgermeisterin Iris Mann und dem Ulmer
Stadtarchiv die Karajan-Büste im Foyer des Ulmer Theaters mit einer Tafel
versehen lassen, auf der auf die „NSDAP-Mitgliedschaft und fehlende Distanz zum
NS-Regime“ des international bedeutenden Dirigenten hingewiesen wird, der von
1929 bis 1934 in Ulm Kapellmeister war.
Die
vom Wiener Karajan Centrum gestiftete bronzene Büste ist ein Werk der Künstlerin
Anna Chromy und wurde 2000 von damaligen Intendanten Ansgar Haag gemeinsam mit
dem Generalmusikdirektor James Allen Gähres im Theater Ulm enthüllt.
In der aktuellen Debatte um Karajans Biographie hatte sich Kay Metzger gegen eine Entfernung der Büste ausgesprochen: „Wir müssen die Erinnerung lebendig halten, auch und gerade die an dunkle Kapitel der Geschichte.“ Die Tendenz zum Verdrängen und Eliminieren problematischer Anteile menschlichen Handelns und Denkens aus dem allgemeinen Sichtfeld und Bewusstsein verhindere eine kritische Reflexion. „Die Büste im Foyer erinnert an eine bedeutende Künstlerpersönlichkeit und mit der Inschrift nun auch zugleich an ihr fragwürdiges Verhalten während der NS-Diktatur“, so Chefdramaturg Dr. Christian Katzschmann. In Anbetracht der deutlichen Tendenzen politischer Radikalisierung und von Antisemitismus in Deutschland und Europa sei es ihm und dem Intendanten wichtig, immer wieder auf der Bühne gerade auch diese Themen zu behandeln, wie beispielsweise in der Bühnenadaption von Klaus Manns Roman „Mephisto“, die in dieser Spielzeit im Theater Ulm zu sehen war.