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Trägerin des Friedensnobelpreises Irina Scherbakowa zu Gast in Ulm

Scherbakowa schreibt ihren Namen in das Goldene Buch der Stadt Ulm.

Scherbakowa schreibt ihren Namen in das Goldene Buch der Stadt.

Irina Scherbakowa, Friedensnobelpreisträgerin aus Russland, sprach am 14. Februar 2026 in Ulm über Russlands Kampf gegen Demokratie und Freiheit. Rund 300 Zuhörerinnen und Zuhörer folgten ihrem Vortrag im Stadthaus. Machthaber Putin gehöre zu denjenigen, die sich über demokratische Institutionen hinwegsetzen und Menschenrechte nicht anerkennen. Ihr Appell: „Unsere Aufgabe ist, zu zeigen, dass es viele Menschen in Europa gibt, die anders denken und anders handeln.“

Im Rathaus trug sich Scherbakowa ins Goldene Buch der Stadt ein. Anschließend hielt sie im Stadthaus ihre Rede und beantwortete Fragen aus dem Publikum. Anlass ihres Besuches war der 23. Jahrestag der Stiftung Erinnerung Ulm, die die kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus in der Region Ulm/Neu-Ulm fördert.

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Von links: Dr. Nicola Wenge, Elisabeth Zoll, Dr. Irina Scherbakowa, Prof. Dr. Wolfgang Keck, OB Martin Ansbacher.

Scherbakowa ist Mitbegründerin der Stiftung „Memorial“. Ziel dieser Menschenrechtsorganisation war es, sowjetische Staatsverbrechen aufzuarbeiten. Die Mitglieder wollten das Schweigen über den stalinistischen Terror durchbrechen, arbeiteten daran, Schicksale sichtbar zu machen, Täterinnen und Täter zu benennen und Gedenkorte zu schaffen. Im Jahr 2022 erhielt die Stiftung den Friedensnobelpreis. In Russland hingegen wurde sie nach repressiven Maßnahmen schließlich verboten.

Nach der Verleihung des Friedensnobelpreises drohte Scherbakowa massive Verfolgung. Sie ging ins Exil, lebt heute in Tel Aviv und Berlin. Dort ist sie Vorsitzende des Vereins „Zukunft Memorial“, der nach wie vor das Ziel hat, die Geschichte zu bewahren und für die Vision eines anderen Russlands einzutreten.

Oberbürgermeister Martin Ansbacher sagte, Scherbakowa gehöre zu den Menschen, „die beharrlich und mutig die Wahrheit suchen, die an die Kraft des Erinnerns glauben und sich nicht vom Druck des Staates oder gesellschaftlicher Gleichgültigkeit einschüchtern lassen.“

Scherbakowas Engagement unterstreiche auch die Bedeutung von Initiativen wie der Stiftung Erinnerung Ulm und des DZOK: „Ihr Anspruch, dass sich die Verbrechen der Vergangenheit nicht wiederholen dürfen, muss auch hierzulande Bestand haben. Es muss auch für das Gedenken an den nationalsozialistischen Terror gelten.“

Unter dem Titel „Geschichte als Waffe – Russlands Kampf gegen liberale Gesellschaften, Demokratie und Freiheit“ erläuterte Scherbakowa, wie Putin die Geschichte verdrehe und das Ideal eines starken Mannes an der Spitze eines autoritären Staates forciert habe. Bei der Bevölkerung in Russland habe sich das Hinnehmen von Gewalt, eine Anpassung daran, eingestellt. Dies habe sich über Jahrzehnte hinweg manifestiert. Auf diesem Boden seien die gewaltsame Unterdrückung und beispiellose Propaganda von Putin erfolgreich gewesen.

Russlands Krieg gegen die Ukraine, so die Historikerin, sei nicht nur ein Krieg gegen das Land, sondern gegen den Westen. Sie zeigte sich bedrückt darüber, dass sich Europa gegen Putin rüsten müsse, ist aber der Einschätzung, dass es für Europa „sonst noch gefährlicher“ würde.