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Pilotprojekt: Schlafkapseln für Obdachlose

Wohnkapsel

Auf dem Karlsplatz und dem Alten Friedhof befinden sich seit Ende Dezember 2019 die zwei ersten Exemplare des "Ulmer Nests". Obdachlose Menschen können die Schlafkapsel als Schutz gegen Kälte aufsuchen. Denn nicht alle von ihnen möchten oder können zum Übernachten Angebote wie das Wohnungslosenheim in Anspruch nehmen, etwa weil sie andere Menschen meiden.

Das Ulmer Nest ist ein Pilotprojekt, das im Auftrag der Stadt Ulm entwickelt wurde. Die zwei Prototypen sollen bis zum Frühjahr 2020 erprobt werden. Wenn sie sich als wirksam erweisen, kann die Lösung überregional eingesetzt werden.

Die Schlafkapsel besteht aus massivem Holz und pulverbeschichtetem Stahlblech. Der Nutzer oder die Nutzerin kann sie von innen verriegeln. Technische Vorrichtungen ermöglichen sowohl Wärmeisolation als auch Versorgung mit Frischluft. Wenn eine Kapsel benutzt wird, melden Sensoren dies der zuständigen Stelle.

Wohnungslose Menschen, die auf der Straße übernachten, sind insbesondere in den Wintermonaten großen gesundheitlichen Gefahren ausgesetzt. Für von Obdachlosigkeit betroffene Menschen besteht dann die Gefahr des Erfrierungstodes. Entsprechende Notunterkünfte und Angebote der Wohnungslosenhilfe zum Erfrierungsschutz werden bundesweit von den jeweiligen Kommunen zur Verfügung gestellt. Auch die Stadt Ulm verfügt seit vielen Jahren über ein gemeinsames Konzept zum Erfrierungsschutz mit den Trägern der Wohnungslosenhilfe.

Zielgruppe des Ulmer Nests sind zum Beispiel Menschen, die andere Menschen meiden und die Übernachtung im Freien einer Übernachtung mit mehreren Menschen vorziehen. Weiterhin sind oft Personen mit Hunden betroffen, für die eine Trennung von ihrem "Bezugspartner" nicht vorstellbar ist. Die im Bereich der Wohnungslosenhilfe aktiven Akteure, vor allem das Deutsche Rote Kreuz und der Caritasverband Ulm-Alb-Donau als Träger der Wohnungslosenhilfe, haben den besonderen Bedarf dieser Zielgruppe aufgegriffen.

Die Idee entstand 2018, als die Stadt Ulm im Rahmen des Bundesprogramms "Nationale Projekte des Städtebaus" verschiedene Projekte auf der Wilhelmburg förderte. Die beiden lokalen Unternehmen "Widerstand und Söhne" und "Bootschaft | Büro für Gestaltung" erarbeiteten dabei im Auftrag der städtischen Abteilung Soziales einen ersten Entwurf der Schlafkapsel. Anschließend stimmte der Fachbereichsausschuss Bildung und Soziales des Gemeinderats dafür, das Projekt weiterzuverfolgen. Seitdem wird das Projekt von den zwei Agenturen und dem Informatiker Florian Geiselhart weiterentwickelt.