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Ulmer Geschichte(n): Das Schwörhaus
© Stadt Ulm
Die Geschichte des Ulmer Schwörhauses ist eng mit der Geschichte von Platz und Gelände der königlichen Pfalz auf dem "Hof", wie der Weinhof im Mittelalter genannt wurde, verbunden: Konkret mit dem Standort der Pfalzkapelle zum Hl. Kreuz (1532/35 zum Weinstadel profaniert) und dem "Luginsland", dem einstigen Wehrturm der staufischen Pfalz. An ihn bauten die Ulmer vermutlich in der zweiten Hälfte des 14. Jhs. ihr erstes Schwörhaus, um damit auf dem einstigen Machtzentrum des königlichen Stadtherrn nicht zuletzt städtische Souveränität zu dokumentieren.
Das erste Ulmer Schwörhaus ("Schwörhäuslein")
Das erste Ulmer Schwörhaus war ein bescheidener Bau mit der Breitseite (ca. 9 m) zum Weinhof und einem Arkadengang im Obergeschoss, wo Bürgermeister und Rat beim alljährlichen Schwörakt ihre festen Plätze hatten. Er war direkt an den „Luginsland“ angebaut. 1612 musste der traditionsreiche Bau, der die wechselvolle Geschichte der drei Ulmer Schwörbriefe von 1345, 1397 und 1558 erlebt hatte, einem repräsentativen Neubau weichen. Der „Luginsland“ mit seinem Schwörhaus-Anbau war baufällig geworden: Er habe, so berichtete man dem Rat, „etlich Schwenz“ und drohe einzustürzen. In einem umfassenden Sanierungsprogramm beschloss der Rat den Abbruch der gesamten Gebäudegruppe von „Luginsland“, Schwörhäuslein und einstiger Pfalzkapelle.
Das Schwörhaus von 1612/18: Neubau und Nutzung
Am 8.6.1612, so vermeldet der Chronist, hat man das „erste Quaterstück auff dem Gemäuergrund am Schwerheusslin gelegt“. Nach zweijähriger Bauzeit wurden die Arbeiten 1614 vorübergehend eingestellt und erst 1618 abgeschlossen. Baumeister waren die Stadtwerkmeister Caspar Schmid und Laux Hemmerlin d.J. In insgesamt sechs Jahren war ein imposanter Prachtbau mit offenen Arkaden und mit einem stattlichen Schwörbalkon für den jährlichen Schwörakt entstanden. Zusätzlich wurde das Haus für kulturelle Einrichtungen (Stadtbibliothek 1726-1785), Veranstaltungen und vor allem als Magazinbau genutzt, wie ein Chronist des 18. Jhs. beschreibt: Im Erdgeschoss ein „festes Gewölbe“, zunächst mit Waffen belegt, später als Weinlager genutzt. Zu beiden Seiten der breiten, tiefgewölbten Einfahrt (heute Eingangsbereich) die Diensträume der beiden reichsstädtischen Beamten, unter deren Aufsicht der Ross- und Weinmarkt auf dem Weinhof stand. Unter dem Dachstuhl: Geräumige Fruchtböden zur Getreidelagerung. Die Gesamtmaße des Hauses: 31 m lang, 16,5 m breit.
Der Brand von 1785 und der Wiederaufbau 1789/90
Rund 170 Jahre lang stand dieser stolze Bürgerbau im Dienst des gemeinsamen Schwurs von Rat, Bürgermeister und Gemeinde bis 1785 bei einer „nie erhörten Feuersbrunst“, wie der Chronist überliefert, das Schwörhaus „ein Raub der Flammen“ wurde. Der 1789/90 unter strenger Sparsamkeit durchgeführte Wiederaufbau war die letzte große Baumaßnahme der Reichsstadt Ulm vor dem Übergang an Bayern 1802.
Das Schwörhaus im 19. Jahrhundert Sitz staatlicher Behörden und Gerichte
1802 wurde Ulm bayerisch und in das Schwörhaus zogen bayerische Landesbehörden ein. Der Schwörtag wurde abgeschafft. Die Folge: Balkon und Lauben am Schwörhaus wurden nicht mehr benötigt und mussten 1804/05 einer einheitlichen Fensterfront weichen. Auf die Bayern folgten 1810 die Württemberger, das Schwörhaus kam an Württemberg und war von 1822 bis 1897 Sitz des Königlich Württembergischen Gerichtshofes für den Donaukreis, des späteren Landgerichts.
Das Schwörhaus seit 1898 wieder in städtischer Hand
Nach dem Umzug des Landgerichts in das neue Justizgebäude in der Olgastraße konnte die Stadt 1898 das Schwörhaus zurückerwerben, gerade rechtzeitig, um mit den Sitzungen des Gemeinderats während des Rathausumbaus (1898-1905) hierher ausweichen zu können. Mehrfach und umfassend wurde der fast 100 Jahre vernachlässigte Bau nun in den folgenden Jahren ungebaut und neu gestaltet: 1907/08 wurde das Haus nach Westen verlängert, 1909/11 wurden Balkon und Arkaden wieder hergestellt und 1915 die Fassade mit bedeutenden Herrscher- und führenden Bürgermeisterdarstellungen aus reichsstädtischer Zeit bemalt. Damit war aus dem Schwörhaus wieder ein ansehnliches städtisches Gebäude geworden, vielfach kulturell und auch schulisch genutzt: Ein Ausstellungsraum wurde eingerichtet, 1906 zog die Frauenarbeitsschule ein und 1908 folgten Stadtarchiv und Stadtbibliothek.
Die Zerstörung von 1944 und der Wiederaufbau 1953/54
Wie eine Vielzahl anderer historischer Gebäude wurde auch das Schwörhaus beim Luftangriff vom 17.12.1944 zerstört. Um den Wiederaufbau entzündete sich dann eine heftige Diskussion. Umstritten war die Giebelform. Während die Stadtverwaltung für den Dreiecksgiebel der Renaissancefassade plädierte, setzte sich der Verein Alt Ulm, unterstützt von der Mehrheit der Ulmer Bürgerschaft – letztlich mit Erfolg – für den aus dem18. Jh. stammenden barocken Volutengiebel des Vorkriegsbaus ein. Am 2.8.1954 konnte dann erstmals wieder nach dem Krieg ein Schwörmontag vor dem wiederaufgebauten Schwörhaus gefeiert werden, in dem heute das Stadtarchiv und seit dem 14.7.2007 das „Haus der Stadtgeschichte“ untergebracht ist. Im Rahmen von Umbauarbeiten wurden dabei die Wand der Pfalzkapelle aus staufischer Zeit freigelegt und eine Dauerausstellung zur Ulmer Stadtgeschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart eingerichtet.
Text von Dorothee Breucker und Dr. Gebhard Weig, ergänzt von Dr. Michael Wettengel
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