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Ulm und die Region
Auf halbem Weg zwischen den Wirtschaftspolen Stuttgart und München gelegen, gewinnt Ulm immer mehr an Bedeutung. Bundesweite Umfragen bescheinigen der Wirtschaftsregion an Donau und Iller nicht nur überdurchschnittlich gute Zukunftsausschichten, sondern auch eine hohe Lebensqualität.
Ein Blick auf die Karte zeigt: Ulm ist ein Verkehrsknotenpunkt, an dem in Süddeutschland kein Weg vorbeiführt. Die Autobahn A8 Stuttgart-München kreuzt hier die A7 Würzburg/Füssen/Lindau. Die regionale Verteilung übernehmen Bundesstraßen, die sich im Oberzentrum Ulm/Neu-Ulm bündeln. Über den Eisenbahnknoten Ulm ist auch der Einstieg in den Hochgeschwindigkeitsverkehr der Bahn gegeben: ICE, EC, IC verkehren im attraktiven Takt. Die Flughäfen Stuttgart, München und der Regionalflughafen Memmingen sind über die Straße, wie auch über die Schiene in gut einer Stunde zu erreichen.
Die günstige Lage auf der bedeutendsten Entwicklungsachse Süddeutschlands lässt diesen Raum zur europäischen Zukunftsregion aufsteigen. Durch die Öffnung des Ostens liegt der Wirtschaftsraum Ulm im Zentrum Europas. Die baden-württembergische Stadt Ulm mit knapp 119.000 Einwohnern bildet zusammen mit der bayerischen Stadt Neu-Ulm das Oberzentrum der Region Donau-Iller, zusammen mit dem benachbarten Neu-Ulm auf dem bayerischen Ufer der Donau, die hier die Landesgrenze markiert, sind es rund 170.000 Menschen, in der Region Donau-Iller über eine Million.
Die Verflechtungen in diesem Raum sind vielseitig, die Wechselbeziehungen von einem Bundesland ins andere selbstverständlich. Seit 2000 betreiben die Städte Ulm und Neu-Ulm über den "Stadtentwicklungsverband Ulm/Neu-Ulm" (SUN) erfolgreich eine gemeinsame Gewerbeansiedlungspolitik. Die Innovationsregion Ulm wirbt unter dem Slogan "Spitze im Süden" für den Wissenschaft- und Forschungsstandort.
Noch zu Beginn der 80er Jahre war die Wirtschaft der ehemals Freien Reichsstadt im wesentlichen durch die verarbeitende Industrie bestimmt. Es dominierten Fahrzeugbau und Elektrotechnik, die mit großbetrieblichen Strukturen die Wirtschaftsstruktur bis in die 80er Jahre hinein prägten. Ulm wies daher 1980 einen überdurchschnittlich hohen Anteil der Beschäftigten des produzierenden Gewerbes von rd. 55 Prozent auf.
Damals hatte Ulm die größte Industriedichte aller Städte Baden-Württembergs und, nach Schweinfurt und Wolfsburg, die drittgrößte in der Bundesrepublik. Drei Viertel der gewerblich Beschäftigen arbeiteten in der Metallindustrie und die weitaus meisten davon in den drei größten Betrieben der Stadt. Bald zeigte sich jedoch die Krisenanfälligkeit einer dermaßen einseitigen Wirtschaftsstruktur: Innerhalb weniger Jahre ließen Probleme im Nutzfahrzeugbau und in der Elektroindustrie die Zahl der Arbeitsplätze um 8.000 sinken und die Arbeitslosigkeit im Jahr 1984 auf die zeitweilig höchste Quote in Baden-Württemberg ansteigen.
Die politischen Antworten darauf lauteten in jener Zeit: Die Einseitigkeit der Wirtschaftsstruktur sollte ab- und die Funktion der Stadt als Handels-, Dienstleistungs-, Forschungs- und Technologiezentrum ausgebaut werden. Die Idee der "Wissenschaftsstadt Ulm" wurde entwickelt.
Ulm hat heute über 90.000 Arbeitsplätze, mehr als vor der Krise. Gleichzeitig hat sich ein Strukturwandel vollzogen: Während sich das verarbeitende Gewerbe rückläufig zeigte, entwickelte sich der Dienstleistungssektor sehr positiv. Mit einem Anteil von knapp 67 Prozent liegt die Stadt Ulm heute weit über dem Landesdurchschnitt. Ulm hat eine ausgeglichenere Wirtschaftsstruktur und ist damit auch weniger krisenanfällig. Die aufgezeigte Entwicklung ist in erster Linie auf den Ausbau und die Einrichtungen der Wissenschaftsstadt zurückzuführen. Der notwendige Strukturwandel schreitet umso schneller voran, je mehr Innovationen aus der Wissenschaftsstadt heraus entwickelt werden, je mehr die Umsetzung von Forschung in marktfähige Produkte gelingt und Stadt und Region davon profitieren.
Auch andere Daten zeigen eine positive Entwicklung:
- Seit 1984 wächst die Einwohnerzahl Ulms kontinuierlich auf den momentanen Höchststand von gut 120.000 Einwohnern, wobei die Gruppe der 18- bis 40 jährigen die größte Zunahme verzeichnet. Der Wachstumsprozess wird sich nach Schätzungen bis zum Jahr 2010 auf 122.000 Menschen weiterhin positiv entwickeln. Die zentrale Funktion der Stadt Ulm als Oberzentrum der Region Donau-Iller spiegelt sich im hohen Einpendlerüberschuss von knapp 50.000 Personen wider.
- Die Zahl der gemeldeten Betriebe hat sich positiv entwickelt. Sie hat im Zeitraum von 1984 bis 2004 um 3.291 bzw. 63 Prozent auf 8.521 zugenommen.
- Die Bruttowertschöpfung ist in Ulm im Zeitraum von 1992 bis2001 um19,3 Prozent gestiegen
- Das Bruttoinlandsprodukt hat im selben Zeitraum um 21 Prozent zugelegt.
- Die Exportquote im produzierenden Gewerbe betrug 2003 39,2 Prozent.
In Ulm und um Ulm sind die Branchen Maschinenbau, Straßenfahrzeug- und Metallbau, Elektrotechnik, Informationstechnik, Pharmazie, aber auch die Mikroelektronik und Medizintechnik stark vertreten. Ulmer Industrieunternehmen operieren auf den Weltmärkten. Nur beispielhaft seien hier genannt: Iveco-Magirus (Nutzfahrzeuge, Brandschutzgeräte), Evo-Bus (früher Kässbohrer, Omnibusse), Wieland-Werke AG (Halbfabrikate und Sondererzeugnisse aus Kupferwerkstoffen), EADS Deutschland GmbH, Ratiopharm GmbH (Pharma), Merckle (Pharma), Schwenk (Baustoffe), UZIN (Klebstoffe), Gardena (Gartengeräte), ulrich GmbH & Co. KG (Medizintechnik), Takata-Petri (Fahrzeugsicherheitssysteme), Nokia (Mobilfunkentwicklung) und Daimler-Chrysler Forschungszentrum. Neben den Großfirmen gibt es in Ulm aber auch ein breites Spektrum an leistungsfähigen mittelständischen Unternehmen. Handel, Gastronomie und Hotelgewerbe runden das hohe Leistungsangebot der Ulmer Wirtschaft ab.
Ulm, Universitäts- sowie erste Wissenschaftsstadt Deutschlands, bietet mit der Universität (7000 Studierende), der Fachhochschule, dem Daimler-Benz-Forschungszentrum, den Science-Parks I und II sowie den vom Land und der Wirtschaft gemeinsam getragenen sogenannten An-Instituten ein Umfeld, das eine enge Kooperation zwischen Grundlagenforschung, angewandter Forschung und Industrieforschung ermöglicht. Forschungsschwerpunkte in der Wissenschaftsstadt sind u.a. Elektrotechnik, Informatik, Energietechnik und Medizintechnik.
Die Wissenschaftsstadt hat Ulm mit dem Neubaugebiet am Eselsberg zudem einen neuen Stadtteil beschert. In einem Zeitraum von nur zehn Jahren sind an den Südhängen, an denen früher der Söflinger Wein wuchs, Wohnhäuser für 6.000 Menschen entstanden, darunter auch das "Sonnenfeld", mit knapp 150 Häusern Deutschlands größte Passivhaus-Siedlung. Das Vorzeigeobjekt war eines der dezentralen Projekte der EXPO 2000.
Ulm verfügt als klassische "Schulstadt" über annähernd 100 Schulen: Gymnasien, Realschulen, Grund- und Hauptschulen, Volkshochschule, Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie (VWA), beruflichen Schulen, Förderschulen, Fachschulen (Meisterschulen), Berufskollegs usw. Mit seiner "Bildungsoffensive", die der Ulmer Gemeinderat 2000 ausgerufen hat und mit der der Schulausbau gefördert wird, hat die Stadt den Stellenwert, den sie der Bildung einräumt, unterstrichen.
Ein breites Kultur- und Freizeitangebot sorgen dafür, dass man in Ulm nicht nur zu "schaffen" , sondern auch gut zu leben versteht. Etwas Besonderes ist das "Internationale Donaufest", das in Zweijahresrhythmus (im Sommer 2006 ist das nächste) von den Städten Ulm und Neu-Ulm veranstaltet wird und bei dem sich zahlreiche Donauanrainerstaaten mit ihrer Musik, Literatur und Volkskunst präsentieren. Seit 2001 gibt es ein "donaubüro.ulm", getragen von Stadt und IHK, sowie ein "Kompetenzzentrum Südosteuropa", mit dem Ulm an seine alten historischen Verbindungen als Handelstadt an der Donau wieder anknüpft, Verbindungen, die während der Zeit des Kalten Krieges auf Eis lagen, aber nun wieder aktiviert werden .
Trotz des rasanten Wandels, den die Stadt in den vergangenen 20 Jahren durchgemacht hat: Ulm ist überschaubar geblieben, "Provinz so gesehen, aber weit entfernt von Provinzialität; an mancher Stelle in Ehren ergraut, aber nicht verstaubt; gewiss manchmal eng und auch kleinlich, aber nicht spießig. Vor allem aber ... ein vor Selbstbewusstsein strotzender Handels- und Wirtschaftsplatz und Kulturraum. Neugierig auf die neue Zeit. Und das ist ulmisch. Ganz und gar." (Hans Uli Thierer in "ulm liebe")
Und wie wird das von außen wahrgenommen? Mehrere Untersuchungen und Studien zeigen, dass Ulm im Wettbewerb mit anderen Großstädten sehr gut bestehen kann. Da ist z.B. zu lesen:
- "Ulm zählt zu den Aufsteigern unter den baden-württembergischen Großstädten. Eine konsolidierte Wirtschaftsstruktur mit neuen weitreichenden Perspektiven (Wissenschaftsstadt) wie auch ein positives, situatives Umfeld, welches in naher Zukunft zu einer nicht unwesentlichen Aufwertung dieses Standorts führen wird, sind die entscheidenden Pluspunkte... Ausgesprochen dynamisch entwickelte sich der Ausbau der Forschungskapazitäten in Ulm. Die Forschungsintensität ist hier die höchste in ganz Baden-Württemberg. Der Grund dafür ist vor allem der forcierte Ausbau der Wissenschaftsstadt als Kristallisationskern wissenschaftlicher Aktivitäten" ("Euro-Gewinner und Verlierer. Die baden-württembergischen Großstädte im wirtschaftlichen Standortwettbewerb der EG").
- In der Untersuchung "Städte mit Zukunft" wurde Ulm zu den Gewinnern auf dem Immobilienmarkt gezählt: "... Ulm hat in jüngster Zeit eine äußerst erfolgreiche Technologiepolitik betrieben. Moderne Dienstleistungs- und Forschungseinrichtungen sowie die landschaftlich reizvolle Lage versprechen für Immobilien eine dynamische Wertentwicklung" (Capital).
- Als Arbeitsmarkt steht Ulm heute mit an der Spitze bundesdeutscher Städte. Die Stadt rangiert im Verhältnis von gemeldeten Bürgern und sozialversicherungspflichtig Beschäftigten auf Platz 4 (Institut der Deutschen Wirtschaft, IW).
- Jüngst hat das Handelsblatt Ulm zu den "Stillen Stars" gezählt, also zu den Regionen in Deutschland mit dem größten Wachstumspotenzial. Und das Sozialforschungsinstitut PROGNOS hat im Mai 2005 im Rahmen einer Untersuchung im Auftrag des Familienministeriums und der ZEIT festgestellt: Ulm rangiert in der ersten Kategorie, was Familienfreundlichkeit angeht (Familienatlas 2005).
Ulm scheint also auf dem richtigen Weg zu sein - keineswegs Anlass, in den Anstrengungen nachzulassen, den Standort im Wettbewerb weiter aktiv zu stärken, und seine Attraktivität zu steigern. Für gesundes Selbstvertrauen aber gibt es gute Gründe - für Optimismus auch.

