eros

18. bis 26. April 2008

eros

Gibt es erotische Musik? Oder ist Musik nicht ohnhin das Aphrodisiakum schlechthin? Eros und sein Gegenspieler Thanatos sind seit Urdenken Thema abendländischer künstlerischer Arbeit. Der Tod und die Weiblichkeit, die beiden "unergründlichsten Rätsel westlicher Kultur" (Freud): Diese sich ergänzende Gegensatzpaar war und ist immer wieder Triebkraft kreativen Schaffens.

Michael Nyman

Das Festival neue musik im stadthaus stellt in drei Abendkonzerten und Nachtsalons, einer Matinee und einem Gottesdienst das Phänomen Eros in den Mittelpunkt. Im Salon Rouge erweitert Jürgen Grözinger, künstlerischer Leiter des Festivals, die Form des klassischen Konzerts mit Texten, DJ-Sets und Visuals zu einem kommunikativen Ort mit Ensembles von Klang, Bild und Wort.

Die Werke unseres diesjährigen Festivals bewegen sich in einem spannungsreichen Bogen von der Renaissance bis zum Pop-Sound. Am ersten Abend stehen Salvatore Sciarrinos Gesualdo-Transkriptionen neben Wilhelm Killmayers Gesängen auf die Schönheit weiblicher Anatomie und den wortgewaltig-derben, bildstarken „Sonetti Lussoriosi“ von Michael Nyman, dem „Special Guest“ des Eröffnungsabends. Michael Nyman wird im anschließenden Salon Rouge live am Piano und mit eigenen Videos zu erleben sein. Eröffnet wird dieser Nachtsalon durch „Ophelia“ von Bernhard Lang. Jürgen Grözinger präsentiert seine VenusSongs und kurze DJ-Sets. Noch einmal Nyman spielen Dieter Kraus und sein Saxofonquartett der Ulmer Musikschule.

Maria Rosendorfsky

Scelsis „Episoden über Liebe und Tod in einem fernen Land“, Janaceks vertonte Liebesbeichte – das großartige, als „Intime Briefe“ untertitelte Streichquartett – und Shelleys düsteres Gedicht „The Sunset“ in Respighis faszinierend morbide Klanglichkeit ausstrahlender Vertonung für Stimme und Streichquartett „Il Tramonto“: Sie alle evozieren sich am zweiten Abend das vermeintlich gegensätzliche Paar Eros und Thanatos. Im Salon Rouge steht die Uraufführung von Marcello Feras „C'è un solo incontro“ nach Gedichten von Patrizia Valduga neben Auszügen aus Jean Baudrillards Essay „Die Macht der Verführung“.

Chatschatur Kanajan

Der Verführung und Verzückung ist der Sonntag gewidmet. Münsterpfarrerin Tabea Frey spürt in einer Matinee den religiösen Facetten des Themas nach und wendet sich am gleichen Abend in einem Gottesdienst dem „Lied der Lieder“, dem Hohelied Salomons, zu!

Anatoli Tsampa

Sanfter Popsound und die zarte Stimme von Anatoli Tsampa entführen am letzten Abend des Festivals in einen zeitlosen „Salon d’amour“. An diesem Abend wird Jürgen Grözinger wieder als Komponist und Arrangeur zu erleben sein, was – wie Fans der neuen Musik im Stadthaus bestens wissen – eine spannende und unterhaltsame Musik verspricht. Grözingers „Songs of love and desire“, die an diesem Abend uraufgeführt werden, schließen an sein überaus erfolgreiches Projekt „Inside the dream“ an.
Melodien des 16. und 17. Jahrhunderts, Texte zu Liebe und Eros sowie die Bildabstraktionen von Karø Goldt kreieren einen die Sinne wie den Intellekt ansprechenden, spannungsreichen Raum: Ein Abend im Plüschkanapee!! ;-))

Das Programm:
LIED DES EROS
Freitag, 18. April 2008

20.00 Uhr
Carlo Gesualdo / Salvatore Sciarrino: I Voci Sotto Vetro
Salvatore Sciarrino: D’un Faune
Wilhelm Killmayer: Blasons anatomiques du corps féminin
Michael Nyman: Sonetti Lussoriosi (dt. EA)
Das Konzert wird aufgezeichnet durch den Deutschlandfunk

21.30 Uhr:
Salon Rouge
Livemusik, DJ, Talk & Videos

Michael Nyman live
im Gespräch, mit Videoarbeiten, Musik für Saxofonquartett & Piano

mit Natalia Pschenitschnikowa, Maria Rosendorfsky, Gesang
Dieter Kraus & Saxofonquartett der Ulmer Musikschule
Ensemble European Music Project
Dirigent: Chatschatur Kanajan

SEHNSUCHT: EROS & THANATOS
Samstag 19. April 2008

20.00 Uhr
Leos Janacek: aus Streichquartett Nr. 2 „Intime Briefe“
Giacinto Scelsi: Khoom, 7 Episoden einer ungeschriebenen Geschichte über Liebe und Tod, aus einem fernen Land
Ottorino Respighi: Il Tramonto
Bernhard Lang: Ophelia
Texte von Leos Janacek und Julien Gracq

22.00 Uhr
Salon Rouge

Marcello Fera: C'è un solo incontro
nach Gedichten von Patrizia Valduga (UA)
Texte von Jean Baudrillard

mit Natalia Pschenitschnikowa, Maria Rosendorfsky, Gesang
European Music Project
Dirigent: Chatschatur Kanajan

ZWISCHEN VERFÜHRUNG UND VERZÜCKUNG
Sonntag, 20. April 2008

11.00 Uhr
Matinee
Der Eros in den Religionen
Münsterpfarrerin Tabea Frey
Musiker des European Music Project

GOTTESDIENST IM ULMER MÜNSTER

18.00 Uhr
„Wie schön ist deine Liebe“
Das Lied der Lieder
Münsterpfarrerin Tabea Frey
Musiker des European Music Project

SONGS OF LOVE AND DESIRE
Samstag, 26. April 2008, 20.00 Uhr

Jürgen Grözinger: Songs of love and desire (UA)
sowie Musik von Antonis Anissegos, John Dowland, Claudio Monteverdi und Henry Purcell
Visuals von Karø Gold

mit Anatoli Tsampa & EMP-Band
Jan Gebauer, Sprecher

Künstlerische Leitung des Festivals: Jürgen Grözinger


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