Supermann. Foto: © Reiner Riedler

11. Dezember 2010 bis 17. April 2011

Fake Holidays

Fotografien von Reiner Riedler

Vor zehn Jahren stellte im Stadthaus eine Ausstellung zum Thema „Die Inszenierung der Freizeit“ die Architektur von Freizeitparks in den Mittelpunkt. Inzwischen baute die Freizeitindustrie noch absurdere Formen solcher Erholungsfabriken: Südseeinseln in Brandenburg, Indoor-Skihallen in Dubai, Niagarafälle in China. Nichts scheint unmöglich zu sein. Die Illusion wird mit großem materiellem und logistischem Aufwand aufrechterhalten, der Gast zahlt gut für anstrengungsloses Erlebnis – in der Regel abgekoppelt von Umgebung, Umwelt und Wetter und vor allem frei von allen vermeidbaren Risiken.

Polynesian Dancers. Foto: © Reiner Riedler

In „Fake Holidays“ untersucht der Fotograf Reiner Riedler mit dem Blick des Anthropologen solche hybriden Orte und ihre Besucher. Dabei findet er ironische, witzige, aber auch nachdenklich stimmende Bilder aus diesen schrillen und bunten Wunderwelten, die besonders dann aufmerken lassen, wenn die Inszenierung misslingt. Als Beobachter sucht Riedler nach Bildern, die die Brüche offenlegen, und rückt in den Mittelpunkt, was der zahlende Besucher dieser Traumwelten lieber aus der Wahrnehmung ausblendet.

Animateur. Foto: © Reiner Riedler

Die Erlebnishungrigen werden nicht nur mit Schauspiel unterhalten, können sogar selbst in Kostüme schlüpfen und ihre Träume in solchen Umgebungen ausprobieren, analog zu Rollenspielen im Internet. Auch diese Selbstinszenierungen dokumentiert Riedler in Bildern - mit teilweise überraschenden Einblicken, die jedoch immer die Würde der Abgebildeten wahren.
Keiner der Urlauber geht bei solchen Aktivitäten ein Wagnis ein, wirklich neue Erfahrungen zu machen ist fast unmöglich und der Erholungseffekt scheint zweifelhaft.

Tropical Island. Foto: © Reiner Riedler

Wer kommt dennoch wieder? Wirken diese vermeintlich perfekten Erholungsumwelten auf die Alltagswahrnehmung oder die Erwartungen der Besucher an die Vorbilder dieser Scheinwelten? Wie groß mag die Enttäuschung sein, wenn ein Gast des Hotels Venetian in Las Vegas sich zum Flug nach Italien durchringt, hier bei unklimatisierter, heißer Wetterlage mit den echten Kanälen Venedigs konfrontiert wird, die zwar das Auge erfreuen, aber die Nase beleidigen – und alle Eingeborenen sprechen italienisch?
Wer jedoch in der Bottroper Indoor-Skihalle wirklich das Skifahren übt und nicht ausschließlich bei der inszenierten Hüttengaudi versackt, kann es durchaus bis zum Skilehrer in den (echten) Alpen bringen – und schont sein CO²-Konto auf dem Weg dahin.

Minsk World. Foto: © Reiner Riedler

Projektleitung: Annette Schellenberg
Eröffnung: Freitag, 10. Dezember 2010, 19.00 bis 21.00 Uhr

Begleitveranstaltungen

Sonntag, 6. Februar 2011
13.30 Führung durch die Ausstellung mit Annette Schellenberg
15.00 Die Truman Show. Filmnachmittag

Sonntag, 17. April 2011
13.30 Führung durch die Ausstellung mit Annette Schellenberg


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