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Östlicher B 10-Tunnel ist für den Verkehr freigegeben
© Stadt Ulm
Der Verkehr fließt wieder Es ist soweit: Nach einer Sanierungszeit von rund einem Jahr wurde die Tunnelröhre der innerstädtischen B 10 am 7. Juli für den Verkehr freigegeben. Von Mitte 2009 bis Juli 2010 war die östliche Tunnelröhre im Zuge der Ortsdurchfahrt der B 10 saniert worden. Für die den Tunnel nutzenden 60.000 Fahrzeuge pro Tag bedeutet die Fertigstellung jetzt erhebliche Erleichterung und weniger Stau. Die Sanierung war unumgänglich, da die Tunnelkonstruktion stark geschädigt war.
Insbesondere der Einsatz von Taumitteln im Winter und das in den Abgasen enthaltene CO2 hatten dem Beton zugesetzt, der dadurch seine Schutzfunktion für den darunterliegenden Bewehrungsstahl verlor. Rostbildung war die Folge. Die Sanierungsaufgabe bestand darin, durch Einsatz des sog. Höchstdruckwasserstrahl-Verfahrens - bei dem ein Wasserstrahl von ca. 2.000 bar erzeugt wird - den schadhaften Beton zu beseitigen.
Der freigelegte korrodierte Bewehrungsstahl wurde instandgesetzt und mit einer neuen Betondeckung versehen. Im Weiteren wurden die Schrammborde und die Fahrbahn erneuert und gleichzeitig Leitungstrassen zur Installation der Betriebsausstattung integriert.
Der freigelegte korrodierte Bewehrungsstahl wurde instandgesetzt und mit einer neuen Betondeckung versehen. Im Weiteren wurden die Schrammborde und die Fahrbahn erneuert und gleichzeitig Leitungstrassen zur Installation der Betriebsausstattung integriert.
Vier Wochen Probebetrieb - für die Sicherheit
Nach der Eröffnung wird der Tunnelbetrieb einem 4-wöchigen Probebetrieb unterzogen. Hierbei kann es kurzzeitig in verkehrsschwachen Zeiten zu Sperrungen der sanierten Röhre kommen. Sinn und Zweck ist, die Funktion der Sicherheitstechnik zu prüfen und auf den Echtbetrieb einzustellen.
Info Sicherheitsausstattung
Mit der Sanierung des Tunnels wurde gleichzeitig die bestehende und nicht mehr zeitgemäße Sicherheitsausstattung erneuert. Die sog. Richtlinie für Ausstattung und Betrieb von Tunneln - kurz RABT - macht hier klare Vorgaben. Im Einzelnen wurde die Beleuchtung und das Notrufsystem erneuert, eine Brandmeldeanlage eingebaut, Verkehrszeichen, Lichtsignalanlagen und Schranken sowie Tunnelfunk- und Lautsprecheranlagen installiert und in der Folge eine Tunnelleitzentrale eingerichtet. Die Fluchtübergänge in die jeweils andere Röhre wurden hergerichtet. Die bildschirmgestützte Überwachung der beiden Tunnelröhren und die Verarbeitung eingehender Notrufe und Störungsmeldungen werden künftig an zentraler Stelle überwacht. Brandmeldungen werden zusätzlich direkt an die Feuerwehr geleitet. Die Aufwendungen allein für die Sicherheitstechnik in der östlichen Tunnelröhre betragen 1,5 Millionen Euro und werden vom Land Baden-Württemberg über eine Zuschuss gefördert.
Zwei Webcams informieren über die aktuelle Verkehrssituation
Obwohl Verkehrsbehinderungen wohl unvermeídlich sein werden, möchte die Stadt Ulm in Echtzeit über die aktuelle Verkehrssituation an den neuralgischen Punkten informieren. Zu diesem Zweck wurden zwei Webcams installiert. Die erste Webcam wurde an der Adenauerbrücke montiert und zeigt die Situation in Richtung Süden. Der zweite Webcam-Standort ist auf Höhe des Schubart-Gymnasiums. Dort werden Sie über das Verkehrsaufkommen in Richtung Norden informiert.
Bisherige Sanierungsarbeiten
In den bisherigen Bauabschnitten 2005 – 2007 wurden die Tunneldecke und der Fahrbahnbelag von oben saniert.
© Stadt Ulm
Sanierte Abdichtung an der Tunneloberseite © Stadt Ulm
Die Tunneloberseite nach der Sanierung Instandsetzungskonzept:
1. Sanierung der Tunneldecke von unten
- Abtrag des schadhaften Betons im Bereich der Fugen mittels Höchstdruckwasserstrahltechnik
- Reprofilieren der Oberfläche mit Spritzbeton
- Abtrag des schadhaften Betons im Bereich der Fugen mittels Höchstdruckwasserstrahltechnik
- Reprofilieren der Oberfläche mit Spritzbeton
2. Sanierung der Tunnelwände
- Abtrag der hohlliegenden Fliesen
- Anbringen eines neuen Fliesenbelages
- Abtrag der hohlliegenden Fliesen
- Anbringen eines neuen Fliesenbelages
3. Sanierung im Fahrbahnbereich
- Abtrag des alten Fahrbahnbelages
- Abbruch Schrammborde
- Sanierung der Bodenplatte
- Aufbringen einer Abdichtung
- neue Schrammborde
- neuer Fahrbahnbelag
- Abtrag des alten Fahrbahnbelages
- Abbruch Schrammborde
- Sanierung der Bodenplatte
- Aufbringen einer Abdichtung
- neue Schrammborde
- neuer Fahrbahnbelag
© Stadt Ulm
Durch Taumittel geschädigter Beton an der Tunneldecke © Stadt Ulm
Abgelöster Fliesenbelag an den Tunnelwänden Erneuerung der Sicherheitsausstattung
Die Erneuerung der Sicherheitsausstattung umfaßt u.a. die folgenden Maßnahmen:
- Ersatz und Erweiterung der veralteten Beleuchtungsanlagen
- Orientierungsbeleuchtung und Fluchtwegekennzeichnung
- Verkehrstechnische Einrichtungen wie Sperrschranken und Signalanlagen
- Anpassung der Fluchtübergänge
- Erneuerung der Notruftelefone und weitere Notrufsäulen
- Videoüberwachung
- Einrichtung von Tunnelfunk/Verkehrsfunk
- Lautsprecheranlage
- Brandmeldeanlage und Löscheinrichtungen
- Orientierungsbeleuchtung und Fluchtwegekennzeichnung
- Verkehrstechnische Einrichtungen wie Sperrschranken und Signalanlagen
- Anpassung der Fluchtübergänge
- Erneuerung der Notruftelefone und weitere Notrufsäulen
- Videoüberwachung
- Einrichtung von Tunnelfunk/Verkehrsfunk
- Lautsprecheranlage
- Brandmeldeanlage und Löscheinrichtungen
© Stadt Ulm
Nach neuesten Richtlinien ausgestatteter Straßentunnel © Stadt Ulm
Leitzentrale für die Tunnelüberwachung Alexander Wetzig: "Die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer ist oberstes Gebot und nicht verhandelbar"
Nach einjähriger Unterbrechung wird ab Anfang Juli das Großprojekt der Sanierung der Ortsdurchfahrt B 10 fortgesetzt. Im diesjährigen Bauabschnitt steht die Sanierung der ersten Röhre des Westringtunnels auf der Agenda. Mit Verkehrsbehinderungen muss auch dieses Jahr wieder gerechnet werden. Wir sprachen mit Bürgermeister Alexander Wetzig über die Thematik, die die Ulmer noch einige Jahre begleiten wird.
Herr Wetzig, die Sanierung der B 10 geht in die nächste Runde. Unmutsäußerungen sind Sie bei diesem leidigen Thema ja bereits gewohnt. Wie gehen Sie damit um?
Alexander Wetzig: Ich verstehe natürlich den Ärger der Autofahrer. Wer steht schon gerne im Stau! Aber diese Behinderungen sind schlicht und einfach unvermeidlich. Wir können nicht unter laufendem Verkehr bauen. Fakt ist, dass wir durch eine 2006 verabschiedete EU-Richtlinie zur Sanierung der Tunnel verpflichtet sind. Das Zeitfenster für die Sanierung ist begrenzt. Deshalb mussten die Arbeiten begonnen und jetzt Zug um Zug weiter ausgeführt werden.
Die EU-Richtlinie ist aber nicht der alleinige Grund für die Sanierung.
Alexander Wetzig: An allererster Stelle stehen die Sicherheit von Betrieb und Konstruktion. Wenn man sich einmal die Lawine von täglich über 100.000 Autos vor Augen führt, die über die Ortsdurchfahrt B 10 rollen, kann man sich leicht vorstellen, in welchem Zustand die nunmehr fast 50 Jahre alten Bauwerke sind. Die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer ist oberstes Gebot und nicht verhandelbar. Wer den Sanierungsbedarf in Zweifel stellt, braucht sich nur einige Fotos vom Zustand der Verkehrsbauwerke ansehen. Nein – die Maßnahmen sind nicht aufschiebbar. Wir setzen sie in den nächsten Jahren mit guter Planung und effizienter Arbeit konsequent um.
Was kann die Stadt tun, um die Situation erträglich zu gestalten?
Alexander Wetzig: Zügig bauen und informieren. Wir weisen die Autofahrer beispielsweise mit großen Plakaten an allen Einfahrstraßen und an den Autobahnen auf die Verkehrsproblematik in Ulm hin. Außerdem informieren zwei Webcams über die aktuelle Situation an den neuralgischen Punkten. Die Staus verhindern können wir damit nicht. Die konkrete Situation wird zu einem großen Teil vom individuellen Fahrverhalten der einzelnen Verkehrsteilnehmer abhängen.
Sie befürchten also kein Verkehrschaos?
Alexander Wetzig: Chaos ist nun wirklich das falsche Wort im Zusammenhang einer so präzise geplanten Baumaßnahme – wir neigen heutzutage gerne zu begrifflichen Übersteigerungen. Klar ist freilich, dass es tageszeitlich unterschiedlich zu auch massiven Störungen des Verkehrsflusses auf der B 10 kommen wird. Und sicher werden sich die Verkehrsteilnehmer in den ersten Tagen nach Baubeginn erst einmal zurechtfinden müssen. Ich erinnere jedoch an die Sperrung der Neuen Straße vor einigen Jahren: Das von einigen vorhergesagte Chaos blieb aus - weil sich die Ulmer flexibel an die neue Verkehrssituation angepasst haben. Auf diese Anpassungsfähigkeit baue ich auch in diesem Falle.

