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Naturdenkmal Ermingen Die Turritellenplatte
Der Archivar und Chronist Hubert Fink beginnt seine Beschreibung von Ermingen im Einwohnerbuch im Jahre 1985 wie folgt: „Ermingen hat nicht durch sich selbst oder seinen Werdegang, sondern durch ein nur wenige hundert Meter im Geviert messendes Fleckchen Erde, vom Ortsrand 20 Minuten nördlich gelegen und bekannt unter dem Namen „Turritellenplatte“ beinahe Weltruhm erlangt“. Beinahe Weltruhm? Diese doch euphorische Aussage ist so unwahr nicht. Zumindest bei Paläontologen, Geologen und fachkundigen Sammlern ist die Versteinerungsfundstelle Turritellenplatte weit über die Landesgrenze hinaus bekannt. Auch die Untere Naturschutzbehörde hat die Einzigartigkeit dieser naturwissenschaftlich bedeutsamen Fossilienablagerung aus der Tertiärzeit erkannt. Die Turritellenplatte wurde als geologisch flächenhaftes Naturdenkmal ausgewiesen (Veröffentlichung Amtsblatt Stadt Ulm Nr.20/1980 und Nr. 7/1982). Mit der Aufnahme in den Katalog der Naturdenkmale wurde jedoch nicht ausschließlich die Dokumentation der wissenschaftlichen Bedeutung der Turritellenplatte verfolgt, sondern gleichzeitig auch deren Schutz angeordnet. Diese Maßnahme war unabdingbar, um den stark einsetzenden Raubbau durch Fossiliensammler einzudämmen. Ein Schutzzaun um die Hauptfundstelle wurde errichtet.
Was ist denn nun so einzigartig an diesem Flecken Erde auf der Anhöhe des Reutebergs gelegen, direkt vor der Haustüre der Erminger? Sicherlich der Umstand, daß ohne großen mühevollen Aufwand, nur wenig unter der Erdoberfläche fossile Ablagerungen in tadellosem Erhaltungszustand zu finden sind. Millionen etwa streichholzlanger Turmschnecken (Turritella turris), Bruchstücke von dickschaligen Austern, feingerillte Herzmuscheln und glattschalige Tapesmuscheln, sowie versteinerte Überreste der artenreichen Fischfauna des Molassemeeres sind hier abgelagert. Sie haben vor rund 20 Millionen Jahren in einem Molassemeer der Tertiärzeit ( Miozänmeer) zu Milliarden gelebt. Dieses Meer ist in die, durch die Auffaltung der Alpen und die Schiefstellung der Albtafel gebildete, oberschwäbische Senke eingeflossen und bildete nach Norden auf der Linie Suppingen/Temmenhausen/Westerstetten/Heldenfingen eine Steilküste mit Brandungsschorre. Während die aus maritimen Fossilien bestehende, bis zu 6 Meter dicke Kalk-sandsteinschicht sonst weitgehendst abgetragen ist, blieb sie hier in einem selten guten Zustand erhalten. Den Namen erhielt das Naturdenkmal von der Turritellae turris. Sie gehört zur Familie der Turm - oder Schraubenschnecken mit einem regelmäßigen Windungsverlauf ihrer Schalen. Die Gehäuseform ist spitz, turmartig und erreicht eine Länge von 70 Millimetern und eine Breite von 18 Millimetern. Sie hat eine größere Anzahl erhabener Windungen (11 bis 14), die durch eine tiefe Naht von einander getrennt sind. Die Mündung des Gehäuses ist kreisrund. Die Gehäuseoberfläche besitzt eine spiralige Struktur, die von verschieden hohen Rippen gebildet wird. Die heutigen Turritellenschnecken leben eingegraben im Meeressand bis zu 40 Meter Tiefe, ihr Verbreitungsgebiet ist weltweit.
So unbestritten bedeutend die Turritellenplatte in naturwissenschaftlicher Hinsicht auch sein mag, einen effektiv nachweisbaren Nutzen brachten diese Fossilienablagerungen der Erminger Bevölkerung in einem völlig anderen Zusammenhang. Vor der automatisierten Herstellung von Ziegelsteinen und der Einführung von Beton, wurde der harte Molassestein über die Jahrhunderten hinweg zu Steinquadern behauen und als Baumaterial herangezogen. Verwendung fand er hauptsächlich als Fundamentstein beim Hausbau. Nachweise hierfür gibt es genügend. In den vergangenen Jahren wurde dieses besondere und ausschließlich ortsbezogene Baumaterial bei den Bauarbeiten der Kirche (altes Kirchenschiff) ebenso entdeckt, wie beim Abbruch des alten Gasthofes Rössle. Zweifelsohne sind noch weitere alte Gebäude im Dorf auf harten Molassesteinen aufgebaut. Da sehr witterungsbeständig, konnte dieser Stein auch an ungeschützten Stellen in der freien Feldflur als Markungs- und Markierungsstein eingesetzt werden. Häufiger anzutreffen ist er auch als Sockelstein bei Feldkreuzen und Bildstöcken. Bestes Beispiel hierfür ist das Kriegerdenkmal auf dem Friedhof in Harthausen. Die Bedeutung der Turritellenplatte für die Dorfgemeinschaft wird auch insofern dokumentiert, als es eine Turritellenstraße, einen Turritellenbrunnen und einen Turritellenweiher in Ermingen gibt.
Was ist denn nun so einzigartig an diesem Flecken Erde auf der Anhöhe des Reutebergs gelegen, direkt vor der Haustüre der Erminger? Sicherlich der Umstand, daß ohne großen mühevollen Aufwand, nur wenig unter der Erdoberfläche fossile Ablagerungen in tadellosem Erhaltungszustand zu finden sind. Millionen etwa streichholzlanger Turmschnecken (Turritella turris), Bruchstücke von dickschaligen Austern, feingerillte Herzmuscheln und glattschalige Tapesmuscheln, sowie versteinerte Überreste der artenreichen Fischfauna des Molassemeeres sind hier abgelagert. Sie haben vor rund 20 Millionen Jahren in einem Molassemeer der Tertiärzeit ( Miozänmeer) zu Milliarden gelebt. Dieses Meer ist in die, durch die Auffaltung der Alpen und die Schiefstellung der Albtafel gebildete, oberschwäbische Senke eingeflossen und bildete nach Norden auf der Linie Suppingen/Temmenhausen/Westerstetten/Heldenfingen eine Steilküste mit Brandungsschorre. Während die aus maritimen Fossilien bestehende, bis zu 6 Meter dicke Kalk-sandsteinschicht sonst weitgehendst abgetragen ist, blieb sie hier in einem selten guten Zustand erhalten. Den Namen erhielt das Naturdenkmal von der Turritellae turris. Sie gehört zur Familie der Turm - oder Schraubenschnecken mit einem regelmäßigen Windungsverlauf ihrer Schalen. Die Gehäuseform ist spitz, turmartig und erreicht eine Länge von 70 Millimetern und eine Breite von 18 Millimetern. Sie hat eine größere Anzahl erhabener Windungen (11 bis 14), die durch eine tiefe Naht von einander getrennt sind. Die Mündung des Gehäuses ist kreisrund. Die Gehäuseoberfläche besitzt eine spiralige Struktur, die von verschieden hohen Rippen gebildet wird. Die heutigen Turritellenschnecken leben eingegraben im Meeressand bis zu 40 Meter Tiefe, ihr Verbreitungsgebiet ist weltweit.
So unbestritten bedeutend die Turritellenplatte in naturwissenschaftlicher Hinsicht auch sein mag, einen effektiv nachweisbaren Nutzen brachten diese Fossilienablagerungen der Erminger Bevölkerung in einem völlig anderen Zusammenhang. Vor der automatisierten Herstellung von Ziegelsteinen und der Einführung von Beton, wurde der harte Molassestein über die Jahrhunderten hinweg zu Steinquadern behauen und als Baumaterial herangezogen. Verwendung fand er hauptsächlich als Fundamentstein beim Hausbau. Nachweise hierfür gibt es genügend. In den vergangenen Jahren wurde dieses besondere und ausschließlich ortsbezogene Baumaterial bei den Bauarbeiten der Kirche (altes Kirchenschiff) ebenso entdeckt, wie beim Abbruch des alten Gasthofes Rössle. Zweifelsohne sind noch weitere alte Gebäude im Dorf auf harten Molassesteinen aufgebaut. Da sehr witterungsbeständig, konnte dieser Stein auch an ungeschützten Stellen in der freien Feldflur als Markungs- und Markierungsstein eingesetzt werden. Häufiger anzutreffen ist er auch als Sockelstein bei Feldkreuzen und Bildstöcken. Bestes Beispiel hierfür ist das Kriegerdenkmal auf dem Friedhof in Harthausen. Die Bedeutung der Turritellenplatte für die Dorfgemeinschaft wird auch insofern dokumentiert, als es eine Turritellenstraße, einen Turritellenbrunnen und einen Turritellenweiher in Ermingen gibt.
Die letzte vorgenommene Würdigung erfuhr die Turritellenplatte als Fundort für die Turritella turris darin, daß die Turmschnecke in das Jubiläumslogo „700 Jahre Ermingen“ aufgenommen wurde. Nicht zuletzt wegen der notwendigen Einzäunung des Naturdenkmals und der damit verbundenen starken Bewaldung der Hauptfundstelle, ist es in den letzten Jahren ruhiger um die Turritellenplatte geworden. Fast könnte man meinen, daß sie in Vergessenheit geraten ist. Das naturwissenschaftliche Kapital und Kulturgut ist jedoch unbeachtet für das Wissen der Bevölkerung ohne Wert. Die Gemeinde hat sich deshalb entschlossen, eine überschaubare Teilfläche des Gesamtareals aufzulassen, zu bearbeiten und mit wissenschaftlich fundierten Hinweisen versehen, einer breiteren Schicht der Besucher des Naherholungsgebiets Hochsträß zu präsentieren. Diese Teilöffnung der Turritellenplatte wird damit als die wichtigste Station in den Naturlehrpfad Ermingen eingebunden (weitere Stationen: Quellbiotop Tosertal / Orchideenwiese, sowie Sonnwendplatz, Panoramatafel Alpenblick, Mammutbäume) Die überörtliche Bedeutung dieses Naturlehrpfads mit seiner Hauptattraktion Turritellenplatte ist unbestritten.
© Stadt Ulm
1999 wurden die wissenschaftlich aufgearbeiteten Schautafeln angebracht © Stadt Ulm
Oberhalb des Gewann "Reuteberg" liegt die Turritellenplatte 
