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Planungsprozess im öffentlichen Diskurs
Die vorliegende städtebauliche Planung ist Ergebnis eines langen Entwurfsprozesses mit intensiver Beteiligung der Öffentlichkeit. Hierzu wurde mit verschiedenen, auch neuen Formen der Bürgerbeteiligung gearbeitet.
Innenstadtforum Zukunft Neue Straße
Um eine allgemeine Beurteilungsgrundlage für den Stadtraum Neue Straße zu erhalten wurden im Rahmen des "Innenstadtforum Zukunft Neue Straße" im Jahre 1995 in mehreren öffentlichen Veranstaltungen im Stadthaus Möglichkeiten und Chancen einer besseren Nutzung und Gestaltung der Neuen Straße erörtert. Es bestand weitgehende Übereinstimmung, dass die jetzige Verkehrssituation in der Neuen Straße nicht akzeptabel und eine Umgestaltung notwendig ist.
Workshop mit Fachleuten
Auf Basis dieser Ergebnisse lud der Fachbereich Stadtentwicklung und Umwelt in Zusammenarbeit mit der Architektenkammer Architekten aus Ulm und Neu-Ulm zu einem Workshop ein. Unter der Leitung von Professor Klaus Humpert (Freiburg) wurde versucht, verschiedene Lösungsansätze für einen weiteren Umgang mit den aufgrund der Reduzierung der Verkehrsflächen freiwerdenden Flächen zu finden. Hierbei war nicht Ziel, ausgereifte und sofort umsetzbare Entwürfe zu entwickeln, vielmehr sollte sich durch den Workshop eine möglichst große Bandbreite verschiedener möglicher Herangehensweisen als Beurteilungsgrundlage herauskristallisieren.
Architektenwettbewerb
Nach Ausstellung und eingehender Diskussion der Ergebnisse in der Öffentlichkeit wurde durch die Stadt Ulm ein städtebaulicher Wettbewerb ausgelobt. Von einer hochrangigen Jury, u. a. Prof. Klaus Humpert / Freiburg, Luigi Snozzi / Locarno, Dipl. Ing. Ulrike Lauber / München sowie Vertretern des Gemeinderates wurde aus zehn Arbeiten aus ganz Deutschland der Entwurf der Ulmer Architekten Gunther, Lutz, Schenk einstimmig mit dem ersten Preis bedacht und zur weiteren Umsetzung empfohlen.
Prämiert wurde hiermit „ein außergewöhnliches Konzept, das unterschiedliche Nutzungen und Nutzer ermöglicht, das die Verkehrsfrage einfach und angemessen löst und sich in Proportion von Raum und Gebäude harmonisch ins Stadtbild einfügt“ (Auszug aus dem Preisgerichtsprotokoll).
Das Konzept sieht einen lockeren Wechsel von etwa viergeschossigen Bauten und Plätzen vor.
Der Autoverkehr wird südlich der neuen Bauten vorbeifließen. Auf der Nordseite entlang der Ladenzeile soll eine Fußgängerzone entstehen, die nach Freiburger und Karlsruher Vorbild vom öffentlichen Nahverkehr durchfahren wird.
Bebauungsplan mit erweiterter Bürgerbeteiligung
In der weiteren Auseinandersetzung mit dem Projekt in Form von Gesprächen und Diskussionen mit Bürgerinnen und Bürgern, Verbänden und Fraktionen des Gemeinderates bewegte insbesondere die Sicherung der architektonischen Qualität der vorgesehenen Bebauung im weiteren Verfahren sowie das vor dem historischen Rathaus vorgeschlagene Baufeld die Gemüter.
Der Ulmer Gemeinderat hat daher am 17. Oktober 2001 den Bebauungsplan "Neue Straße" beschlossen unter Berücksichtigung folgender Ergänzungen:
- Auf eine Bebauung des Baufeldes vor dem Rathaus wird verzichtet
- Für die verbleibenden drei Baufelder werden in Zusammenarbeit mit Investoren jeweils Realisierungswettbewerbe durchgeführt
- Vor der Realisierung der Hochbebauung wird der Bebauungsplan "Neue Straße" nach Vorliegen der abgestimmten Wettbewerbsergebnisse in einem Änderungsverfahren angepasst
Gutachten für die Hochbauten mit Beteiligung der Stadt
Die neu entstandenen Baufelder wurden im Frühjahr 2003 unter der Bedingung an private Investoren verkauft, die Qualität der Architektur per Gutachterverfahren zu entscheiden. Es wurden für beide Grundstücke jeweils sechs Architekturbüros beauftragt und die Ergebnisse wurden durch ein Preisgericht mit zwei externen Fachgutachtern mitgetragen. Bei beiden Entwürfen konnte das Architekturbüro Stephan Braunfels (München, Berlin) das Verfahren für sich entscheiden.
Braunfels entwirft für den Eingang zum Münsterplatz ein keilförmiges Gebäude, in dem ein Markenartikel-Kaufhaus untergebracht werden soll. Dem Entwurf gelingt es, neben der Reduzierung auf einen klaren Baukörper die Balance zwischen Anpassung an die Umgebung Gesamtgefüge und der an diesem Ort erforderlichen Besonderheiten in Ausdruck und Material zu halten.
Das zweite Gebäude, direkt daneben und schräg gegenüber dem historischen Ulmer Rathaus gelegen, soll ein Kaufhaus mit Büro- und Dienstleistungsnutzungen beherbergen. Die Gliederung des Baukörpers in zwei gespreizte Gebäuderiegel mit einer differenzierten Abstufung der einzelnen Höhen, welche sich auf die Umgebungsbebauung beziehen, wird einheitlich als sehr interessant eingeschätzt. Insbesondere mit der innenräumlich qualitätsvollen, zentralen inneren Erschließung von der Ostseite durch ein offenes Treppenhaus wird dieses Konzept konsequent weiterverfolgt.
Braunfels entwirft für den Eingang zum Münsterplatz ein keilförmiges Gebäude, in dem ein Markenartikel-Kaufhaus untergebracht werden soll. Dem Entwurf gelingt es, neben der Reduzierung auf einen klaren Baukörper die Balance zwischen Anpassung an die Umgebung Gesamtgefüge und der an diesem Ort erforderlichen Besonderheiten in Ausdruck und Material zu halten.
Das zweite Gebäude, direkt daneben und schräg gegenüber dem historischen Ulmer Rathaus gelegen, soll ein Kaufhaus mit Büro- und Dienstleistungsnutzungen beherbergen. Die Gliederung des Baukörpers in zwei gespreizte Gebäuderiegel mit einer differenzierten Abstufung der einzelnen Höhen, welche sich auf die Umgebungsbebauung beziehen, wird einheitlich als sehr interessant eingeschätzt. Insbesondere mit der innenräumlich qualitätsvollen, zentralen inneren Erschließung von der Ostseite durch ein offenes Treppenhaus wird dieses Konzept konsequent weiterverfolgt.
Realisierungswettbewerb Freiflächengestaltung Neue Straße
Aufgrund der zentralen Lage der Neuen Straße in der Innenstadt Ulms und dem daraus entstehenden hohen Qualitätsanspruch an die Gestaltung des Öffentlichen Raums wurden im Rahmen eines europaweit ausgelobten Wettbewerbs der Stadt in 35 Architektur- und Stadtplanungsbüros Entwürfe erarbeitet. Die Freiflächen nördlich der KFZ-Trasse wurden dabei als nur vom ÖPNV und Andienungsverkehr durchfahrene Fußgängerzone ausgewiesen. Nördlich des Rathauses, zwischen Gebäude "Rathausarkaden" und Gebäude Ost soll ein neuer Platz entstehen. Eine hochrangige Jury bewertete Anfang Dezember 2003 die Beiträge. Das Ulmer Architekturbüro Mühlich, Fink & Partner erhielt den 1. Preis und wurde von der Stadt mit der Entwurfsplanung beauftragt.
Begleitung des Projekts durch permanente Präsenz in der Öffentlichkeit
Für die Information der Öffentlichkeit hatte die Stadt zu Beginn der Baumaßnahme im Frühjahr 2002 eine Infobox errichtet, die sich auf einer Plattform mitten auf der Baustelle befand. Damit war ein signifikanter Ort entstanden, der die Neue Straße trotz – oder gerade wegen – der Baustelle und der archäologischen Ausgrabung ins Bewusstsein der Öffentlichkeit brachte.
Die Plattform stellte die Hauptquerungsmöglichkeit der Baustellengrube für Fußgänger und Radfahrer dar. Hier hatten die Vorübergehenden Gelegenheit, den Fortschritt der Baustelle von einem privilegierten Ort aus zu beobachten. Gleichzeitig war die Plattform Treffpunkt für Stadtführungen und Führungen des Landesdenkmalamtes.
In der Infobox konnten sich alle interessierte Menschen über das Projekt Neue Straße informieren. Tägliche Sprechstunden durch Mitarbeiter/innen der Stadtverwaltung wurden in den Sommermonaten angeboten. Darüber hinaus war vom Landesdenkmalamt Baden-Württemberg im 1. Obergeschoss eine Ausstellung über die Ausgrabung, deren Funde und den daraus folgenden Erkenntnissen installiert. Von der Aussichtsplattform auf dem Dach der Infobox hatte man einen wunderbaren Überblick von der Gesamtmaßnahme Neue Straße.
Die Plattform stellte die Hauptquerungsmöglichkeit der Baustellengrube für Fußgänger und Radfahrer dar. Hier hatten die Vorübergehenden Gelegenheit, den Fortschritt der Baustelle von einem privilegierten Ort aus zu beobachten. Gleichzeitig war die Plattform Treffpunkt für Stadtführungen und Führungen des Landesdenkmalamtes.
In der Infobox konnten sich alle interessierte Menschen über das Projekt Neue Straße informieren. Tägliche Sprechstunden durch Mitarbeiter/innen der Stadtverwaltung wurden in den Sommermonaten angeboten. Darüber hinaus war vom Landesdenkmalamt Baden-Württemberg im 1. Obergeschoss eine Ausstellung über die Ausgrabung, deren Funde und den daraus folgenden Erkenntnissen installiert. Von der Aussichtsplattform auf dem Dach der Infobox hatte man einen wunderbaren Überblick von der Gesamtmaßnahme Neue Straße.

