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Räume für Bürgerinnen und Bürger
Ein Überblick über die Ulmer Bürgerzentren
Mehr Besucher, bessere Auslastung, höhere Einnahmen - die Entwicklung in allen fünf Bürgerzentren der Stadt Ulm ist positiv. Was in den Bürgerzentren passiert, ist vielfältig und jeweils unterschiedlich. "In ihnen spiegelt sich das Leben in der Buntheit wider, die es auch sonst in der Stadt Ulm gibt", sagt der städtische Sozialplaner Markus Kienle über die Entwicklung dieser Einrichtungen, von denen es in jedem der fünf Ulmer Sozialräume eine gibt: Bürgerhaus Mitte, Bürgertreff Böfingen, Bürgerzentrum Eselsberg, Bürgerzentrum Wiblingen und Weststadthaus. Die Entwicklung sei positiv: Die Statistik erfasse überall mehr Besucher, mehr Veranstaltungen und höhere Mieteinnahmen.
Die Idee zu den Zentren ist folgende: "Bürgerengagement braucht Räumlichkeiten, in denen sich die Bürger treffen können, in denen Veranstaltungen zur Bürgerbeteiligung stattfinden und in denen Bürger Angebote für Freizeit und Bildung machen", beschreibt Kienle. Die Räume stehen allen Menschen aus dem Stadtteil "als Treffpunkt und Aktionsraum zur Verfügung". Außerschulische Bildungsträger wie Volkshochschule und Familienbildungsstätte bieten dort zu moderaten Preisen Kurse an. Selbsthilfegruppen und Vereine können für wenig Geld Räume bekommen, Privatpersonen können sie für Familienfeiern mieten, Unternehmen können sie für kommerzielle Veranstaltungen nutzen, wobei sie aber ein höheres Entgelt bezahlen müssen.
Vom inhaltlichen Konzept sind die fünf Bürgerzentren unterschiedlich. "Wir haben keine Vorgabe von oben drübergelegt", sagt Markus Kienle, deshalb konnten sich individuelle Nutzungen entwickeln - gemeinsam ist allen, dass sie multifunktional sind. Neben regelmäßigen Kursen und Veranstaltungsreihen gibt es Kultur- und Einzelveranstaltungen. Zielgruppen sind alle Generationen und Menschen mit internationalen Wurzeln.
Die fünf Häuser in Stichworten:
Bürgerhaus Mitte: Mensa und Ganztagsbetreuung für Schüler umliegender Schulen; Angebote für die Generation 60 plus und für Menschen mit Migrationshintergrund; (Vor)Lesekreis für schlechtsehende Menschen; Spaziertreff; Sitz der Bürgeragentur Zebra.
Bürgertreff Böfingen: Café Kanne mit niedrigen Preisen; internationaler Frauentreff; Seniorencafé; Geschäftsstelle der Regionalen Planungsgruppe (RPG); Kooperation mit der Bodelschwingh- und der Gustav-Werner-Schule.
Bürgerzentrum Eselsberg: zahlreiche Kurse; Café Plus; Angebote für Familien; eigene Bigband; Reihe "Film & Buffet".
Bürgerzentrum Wiblingen: Mensa für Schüler; Bürgertreff mit den Kooperationspartnern Generationentreff, Tannenhof und RPG; rege Nutzung an den Wochenenden durch Privatleute.
Weststadthaus: Treffpunkt für Jung und Alt verschiedenster Kulturen; Frühstückstreff; Mittagstisch; Kultur im Weststadthaus; Reihe "Religion nebenan".
Zur personellen Ausstattung der Bürgerzentren sagt Kienle: "Die ist sehr basic, unterstes Level." Die beiden großen Häuser am Eselsberg und in der Weststadt haben eine ganze oder zwei halbe Stellen Hausmanagement; Bürgerhaus Mitte und Bürgerzentrum Wiblingen verfügen je über eine halbe Stelle (wobei die in Wiblingen derzeit noch provisorisch über den Etat der Sozialplanung läuft); die kleinste Einrichtung in Böfingen hat lediglich eine 15-Prozent-Stelle.
Darüber hinaus müssen die Bürger in den Häusern selbst aktiv werden, zum Beispiel beim Stühle aufstellen oder Kehren. Die Konstruktion, dass die Hausmeister der Bürgerzentren über den Bereich Gebäudemanagement organisiert sind, ist für Kienle "suboptimal".
Als das Thema jüngst im Fachbereichsausschuss Bildung und Soziales des Gemeinderats diskutiert wurde, stimmten die Räte der Schaffung einer eigenständigen Stelle für Hausmanagement in Wiblingen ab 2013 einhellig zu. Alle Fraktionen lobten die Arbeit der Bürgerzentren. Barbara Münch (CDU): "Sie stärken das Miteinander in der Stadt und die Identifikation mit dem Stadtteil." Reinhard Kuntz (FWG): "Wenn es die Bürgerzentren nicht gäbe, müsste man sie erfinden." Für Dr. Haydar Süslü (SPD) sind die Bürgerzentren "eine Stärkung des Dialogmodells" und für Sigrid Räkel-Rehner (Grüne) "auch wichtige Treffpunkte für Menschen mit internationalen Wurzeln".
© Südwest Presse Ulm 11.04.2012/Text: Verena Schühly

