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Frauen der Ulmer Stadtgeschichte
© Stadt Ulm
Lutz Krafft, Johannes Kepler, Der Schneider von Ulm, Albert Einstein, ... Männer der Ulmer Stadtgeschichte. Ist es möglich, dass Frauen keine Rolle in der Ulmer Stadtgeschichte gespielt haben?
Forschungen der letzten 30 Jahre haben ergeben, dass der Einfluss von Frauen in allen Städten größer war, als es in unseren Geschichtsbüchern steht. Um ein umfassendes, ganzheitlich erfahrbares Verständnis der Ulmer Stadtgeschichte zu gewinnen, ist es notwendig, nach den Spuren zu suchen, die Frauen in Ulm hinterlassen haben. Dazu soll diese Dokumentation mit ihrer beispielhaften Fokussierung anregen.Sieben Frauen bzw. Frauengruppen aus sieben Jahrhunderten wurden ausgewählt, die sowie für die Förderung des Sozial- und Gesundheitswesens und der gesellschaftlichen Gerechtigkeit als auch für die Entwicklung der Wirtschaft und des Handwerks der Stadt Ulm Herausragendes geleistet haben.
An sieben Orten der Innenstadt befinden sich vor den Wirkungsstätten der Frauen die Gedenkstelen, welche auf diese Leistungen hinweisen. Damit entsteht ein Weg durch die Innenstadt und durch die Geschichte der Ulmer Bürgerinnen und Bürger, der in Zukunft um weitere bedeutende Persönlichkeiten sowohl in inhaltlicher als auch in räumlicher Dimension erweitert werden kann.
Standorte der Stelen
Die Ulmer Sammlung, ca. 1230 - 1808
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Auf dem heutigen nördlichen Münsterplatz gründeten um 1230 Frauen die erste Beginengmeinschaft Ulms. Die Sammlung als eine "Versammlung" von Frauen war eine freie christliche Gemeinschaft, die sich ihren Lebensunterhalt verdiente und der Pflege von Kranken widmete. Die Sammlung musste dem Münsterbau weichen. 1387 erwarben die Schwestern von Lutz Krafft das große Anwesen in der Frauenstraße. Nach Vereinbarung mit Rat und Bürgerschaft (1344) sollten in der Sammlung maximal 12 Frauen leben, darunter die von ihnen gewählte Meisterin.
Vier Amtsschwestern, die Kornmeisterin, die Kellerin, die Schreiberin und die Zinsmeisterin waren der Meisterin zugeordnet und hatten ihren eigenen Kompetenzbereich. Dass das Unternehmen Sammlung "florierte", beweisen mehrere Urkunden von Ankäufen.
Um 1406 erwarben die Frauen das Dorf Ersingen. Als Dorfherrinnen hatten sie die kleine Gerichtsbarkeit, d.h. sie verfassten Ordnungen, setzten den Schultes ein, ab 1461 auch den Pfarrer. 1423/24 erwarben sie durch mehrheitlichen Besitz die "eigentliche Ortsherrschaft" von Asselfingen. Das ehemalige Amtshaus "Hirschen", auch "Schlösslein" genannt, zeugt heute noch von der Herrschaft der Sammlungsfrauen.
© Stadt Ulm
Die Sammlungsschwestern förderten das Sozial- und Bildungswesen der Stadt, indem sie beispielsweise eine Schulspeisung und Stipendien für bedürftige Schüler finanzierten. Trotz ihres Widerstands verloren die Frauen im 17. Jahrhundert ihre Selbstständigkeit. Als städtisches Damenstift blieb die Sammlung bis zum Ende der reichsstädtischen Zeit ein kulturelles Frauenzentrum.
... weitere Ulmer Frauen
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Protest der Metzgerinnen Adelheid von Sulmetingen
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Literatur
- Ilse Schulz: "Verwehte Spuren - Frauen in der Stadtgeschichte", Ulm, 1998
- Ilse Schulz: "Schwestern Beginen Meisterinnen", Ulm, 1992
- Annette Kuhn (Hg.): Die Chronik der Frauen, Dortmund 1992
- Eugen Nübling: Ulm´s Fleischereiwesen im Mittelalter, Ulm 1892
- Reinhold Reith, Lexikon des alten Handwerks, München, 1990
- Gloria Rüdel-Eschbaumer: Der Hexenprozess Maria Holl, Nördlingen, 1998<
- Elmar Schmitt, Bernd Appenzeller: Balthasar Kühn, Buchdruckerei und Verlag Kühn, 1637-1736 (Veröffentlichung der Stadtbibliothel Ulm, Bd. 16, Weißenhorn, 1992
- Herbert Wiegandt: Ulm - Geschichte einer Stadt, Weißenhorn, 1977
- Katholisches Kirchenblatt vom 11.01.1953, Ulm, 1953
- 75 Jahre "Guter Hirte" e.V. Ulm, Festschrift zum 75-jährigen Jubiläum, Ulm, 1983
- H. E. Specker (Hg.): Ulmer Bürgerschaft auf dem Weg zur Demokratie; Forschung der Ulmer Stadtgeschichte Bd. 10, Ulm,
Stadt Ulm, Fachbereich für Stadtentwicklung und Umwelt 12/2002
Text: Eva Noller, Ilse Schulz
Bilddokumente: Archive Ulm und Nördlingen, Ilse Schulz

